Der ehemalige niedersächsische Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin hat die Demokratie in Deutschland gewürdigt. «Während überall das Hoffähigmachen von Antidemokraten fortschreitet, ist Deutschland vergleichsweise stabil», sagte der langjährige Grünen-Politiker, der kürzlich seine Autobiografie in Göttingen vorstellte. Die Bundesrepublik sei heute ein Stabilitätsanker der Demokratie in Europa.
Nichtsdestotrotz habe er Sorge wegen der Ergebnisse der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen. Der Verfassungsschutz stuft die AfD-Landesverbände in den beiden Bundesländern als gesichert rechtsextremistisch ein. Trittin warnte davor, Koalitionen mit Faschisten einzugehen. «Mehrheiten für die Faschisten waren nie Mehrheiten der Faschisten, sondern sie sind ihnen immer übertragen worden mit dem gleichbleibenden Argument: Die werden sich an der Macht schon entzaubern», sagte Trittin. Das habe sich in der Vergangenheit immer gerächt.
Er habe aber den Eindruck, dass die demokratischen Parteien sich ihrer Verantwortung bewusst seien. «Diese Grundüberzeugung, dass man Faschisten keine Macht überträgt, die trägt in Deutschland noch und das ist ein Unterschied von Deutschland zu anderen Ländern Europas.» In der Praxis sei diese Auffassung «weiterentwickelt, als es manchmal in Gillamoos oder anderswo auf Wahlveranstaltungen wirkt». Anfang September hatten CDU- und CSU-Politiker beim Gillamoos-Volksfest im niederbayerischen Abensberg unter anderem die Arbeit der Ampel-Koalition scharf kritisiert.