Windstrom, Gewerbeflächen und die zentrale Lage in Europa: Mit diesen Argumenten will Niedersachsen künftig stärker um Unternehmen werben. Mehr Personal und schnellere Entscheidungen sollen dabei helfen, neue Firmen ins Land zu holen, wie die Staatskanzlei mitteilte.
Dafür startet die Landesregierung eine Ansiedlungsoffensive. Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne sieht Niedersachsen im Wettbewerb um Unternehmen gut aufgestellt. Das Land verfüge über vergleichsweise viele Gewerbe- und Industrieflächen und große Mengen erneuerbar erzeugter Energie. «Industrie folgt Energie», sagte der SPD-Politiker.
Kern der Neuaufstellung ist eine stärkere Rolle von «Niedersachsen.next». Die nach eigenen Angaben rund 100 Mitarbeiter starke Innovations- und Wirtschaftsagentur des Landes soll künftig Unternehmen gezielt ansprechen und Ansiedlungsprojekte begleiten. Zwei Beschäftigte wechseln dafür aus dem Wirtschaftsministerium dorthin, fünf weitere Stellen sollen neu geschaffen werden. Das Land stellt für Personal- und Sachkosten jährlich rund 1,1 Millionen Euro bereit.
Tempo als Standortvorteil
Unternehmen sollen künftig einen zentralen Ansprechpartner erhalten. Die Betreuung aus einer Hand soll Verfahren beschleunigen. Die operative Arbeit lasse sich bei «Niedersachsen.next» schneller organisieren als in einem Ministerium, sagte Tonne. «Geschwindigkeit ist heute eben auch ein entscheidender Standortfaktor.» Mehr Fachleute bedeuteten mehr Kontakte zu Unternehmen und eine intensivere Betreuung möglicher Projekte. «Viel hilft viel.»
Besonders im Blick hat die Landesregierung Branchen wie Wasserstoff, Biotechnologie, Mobilität, Künstliche Intelligenz sowie die Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft. Mit der neuen Kampagne «Niedersachsen. Das ist groß.» will das Land dort künftig selbstbewusster auftreten. Konkrete Ziele für die Zahl neuer Ansiedlungen nannte Tonne jedoch nicht. Der Erfolg der Offensive lasse sich nicht an einer festen Kennzahl messen, sagte er. Mit der Neuaufstellung will das Land zum 1. Juli starten.
Kampagne allein reicht nicht
Die Industrie- und Handelskammern Niedersachsen (IHKN) begrüßten die Offensive grundsätzlich. Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt sprach von einem «überfälligen» Schritt. «Aus Sicht der niedersächsischen Wirtschaft ist es dringend notwendig, dass das Land sich aktiv um die Ansiedlung neuer Unternehmen in Niedersachsen bemüht», sagte sie.
Die neue Standortkampagne könne zwar Aufmerksamkeit schaffen, ersetze aber keine gezielte Ansprache von Unternehmen und Investoren. Nun komme es darauf an, die angekündigten Maßnahmen rasch umzusetzen und ihren Erfolg regelmäßig zu überprüfen.
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