Wie ein rauschender Bach klingt es, wenn der Wind kräftig durch die Krone der Zitterpappel bläst. «Die Lautstärke ist auf Dauer nervenaufreibend, wenn man etwa auf dem Hochsitz ist», sagt Förster Silas Tepper. In seinem Revier in Lautenthal im Harz stehen zahlreiche Exemplare der Baumart, die in diesem Jahr der «Baum des Jahres» ist. Missen möchte er die Zitterpappeln trotz der Lautstärke nicht, denn in Zukunft könnte die Art immer wichtiger beim Erhalt seines Waldes werden.
Die Qualität der Baumart kommt im Harz vor allem auf Waldflächen zum Tragen, auf denen aktuell kein Wald steht. Und davon gibt es derzeit unzählige: Ein Zusammenspiel aus Klimawandel, Stürmen, Trockenheit und Schädlingskäfern haben zu einem Absterben fast aller Fichten im Harz geführt. Zurückgeblieben sind kahle Flächen, auf denen neuer Wald wachsen soll.
Und genau dabei kommt die Zitterpappel ins Spiel. Sie ist sozusagen ein Krisenspezialist. Die auch Aspe oder Espe genannte Art ist ein sogenannter Pionierbaum: Mit ihren sich im Wind schnell bewegenden - also quasi zitternden - Blättern siedelt sie sich auf unbewaldeten Flächen zuerst an. Auch Weiden oder Birken sind solche Pionierbaumarten. Ihre Samen fallen nicht wie bei vielen anderen Baumarten einfach zu Boden, sondern können im Wind mehrere Kilometer zurücklegen. Auch über die Wurzeln kann sich die Art ausbreiten.