Der parlamentarische Untersuchungsausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags zum Missbrauchskomplex Lügde hat sich mit einer besonders heiklen Fragestellung auseinandergesetzt: Wie sind Polizei, Justiz und Jugendeinrichtungen mit missbrauchten Kindern umgegangen, die im Laufe der Jahre selbst zu Tätern wurden? Als Zeugen wurden dazu am Montag in Düsseldorf ein Richter und drei Richterinnen von Amts- und Landgerichten in Detmold und Paderborn befragt, die bei der juristischen Bewältigung des Tatkomplexes Lügde mit dieser Problematik befasst waren.
Dabei ging es unter anderem um einen Jugendlichen, der als Kind selbst jahrelang von einem der Haupttäter auf dem Campingplatz in Lügde missbraucht und vergewaltigt worden war. Er hatte nach Aufdeckung des Tatkomplexes zweieinhalb Monate in einer Justizvollzugsanstalt (JVA) in Untersuchungshaft verbracht, obwohl er selbst «ein hoch traumatisierter Junge» gewesen sei, wie eine Richterin vom Landgericht Paderborn ihn beschrieb. Für sein Alter sei er «wirklich noch sehr kindlich» gewesen.