Dass Angeklagte vor Gericht eine eigene Verteidigungsrede halten, ist ungewöhnlich. Die frühere RAF-Terroristin Daniela Klette tut es. Im Prozess vor dem Landgericht Verden wegen schweren Raubes und Verstößen gegen Waffengesetze nutzt die 67-Jährige den Gerichtssaal als Bühne. Mehr als eine Stunde lang schildert sie ihre Sicht auf die ihr vorgeworfenen Taten, die politische Weltlage und die Notwendigkeit für ihr früheres Leben im Untergrund. Nur in der Illegalität hätten sie und andere die Möglichkeit gehabt, als radikale Linke weiterzubestehen, sagt sie.
Dabei wird klar, dass sie sich selbst als Opfer des politischen Systems sieht. Auch ihre rund 40 Unterstützer im Zuschauerraum scheinen den Gerichtsaal als Bühne zu verstehen. Sie klatschen und jubeln nach dem Schlussvortrag noch euphorischer als zur Begrüßung von Klette.