Nach den Schüssen mit sechs Toten in Stade und dem Tod des Verdächtigen im Gefängnis hat die niedersächsische Justizministerin Kathrin Wahlmann Fehler im Umgang mit dem Mann zurückgewiesen. Eine Prüfung im Justizministerium habe keine Hinweise auf Mängel ergeben, sagte die SPD-Politikerin im Unterausschuss Justizvollzug des Landtags. Sie betonte, bei allen Anstrengungen dürften sich Suizide im Vollzug nie ganz verhindern lassen. Ein Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt hatte den mutmaßlichen Schützen am 21. Juli leblos in seiner Zelle gefunden.
«Jeder Suizid ist einer zu viel», sagte Wahlmann. Sie äußerte Mitgefühl mit den Angehörigen der Opfer, nachdem sich der 45-Jährige einem Gerichtsverfahren entzogen habe.
Erhöhtes Suizidrisiko nach Tötungsdelikt
Die stellvertretende Leiterin der JVA Bremervörde, Milena Simeunovic, sprach von einem erhöhten Suizidrisiko nach einem Tötungsdelikt. Die Suizidprävention der Anstalt sei zuletzt im vergangenen Juni überprüft worden, es habe keine Beanstandungen gegeben.
Der Verdächtige kam am 30. Juni in Untersuchungshaft in die JVA Bremervörde. Noch am selben Tag habe standardgemäß ein sogenanntes Zugangsgespräch stattgefunden, sagte Simeunovic. Dabei soll unter anderem herausgefunden werden, ob der Gefangene sich möglicherweise selbst verletzten könnte. Dann sei der 45-Jährige in eine kameraüberwachte Zelle gekommen.
Sein Verhalten sei stabil und er selbst absprachefähig gewesen, daher seien die Maßnahmen nach und nach gelockert und am 20. Juli völlig aufgehoben worden. Die Entscheidung des Vollzugsabteilungsleiters nach entsprechendem Vermerk einer Psychologin sei «äußerst bedacht» gewesen.