Wenn Sandra Ludwig auf einer Party von ihrem Job erzählt, machen die Leute große Augen. «Sie sind immer sofort begeistert», sagt die Ingenieurin, die europaweit auf unterschiedlichen Bohrinseln tätig ist. Derzeit ist ihr Einsatzort die Offshore-Anlage Mittelplate in der Nordsee vor der Küste Schleswig-Holsteins. Rund 90 Menschen sind dort rund um die Uhr im Einsatz. Die Kielerin ist eine der wenigen Frauen, die hier arbeiten und die Einzige, die direkt an den Bohrungen beteiligt ist. Das andere weibliche Personal ist vor allem für die Zimmerreinigung zuständig.
Mittelplate ist das förderstärkste deutsche Ölfeld
Durch die Blockade des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus ist die Versorgung mit Erdöl weltweit unter Druck geraten. Daran ändert auch die deutsche Erdölförderung nichts: Diese trug im Jahr 2024 nach Angaben des niedersächsischen Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie nur zu zwei Prozent zur Deckung des bundesweiten Verbrauchs bei. Die wichtigsten Erdölfelder liegen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein, Mittelplate ist das förderstärkste. Das Rohöl fließt dort durch eine unterirdische Pipeline im Wattenmeer nach Friedrichskoog. In Raffinerien wird es zu Kerosin für den Luftverkehr, zu Bitumen für den Straßenbau oder zu petrochemischen Produkten weiterverarbeitet, die für Medikamente, Kosmetika oder Reinigungsmittel verwendet werden.
Gegen die Erlaubnis zur Ölförderung im Flora-Fauna-Habitat-Gebiet Wattenmeer ist derzeit eine Klage der Deutschen Umwelthilfe anhängig. Wie auch immer das Gerichtsverfahren ausgeht - spätestens 2041 ist mit der Offshore-Förderung Schluss. 2024 hatte die Kieler Landesregierung angekündigt, keine Genehmigungen mehr für die Erschließung neuer Ölfelder in der Nordsee zu erteilen. Noch fließen jedoch jeden Tag 2,5 Millionen Liter Erdöl durch die Pipeline, berichtet Martin Buttchereit von Harbour Energy.