Der Stahlkonzern Salzgitter strebt zurück in die schwarzen Zahlen und setzt dabei auf die Rüstungsindustrie als neuen Abnehmer. «Das ist ein Wachstumsfeld, was wir auf jeden Fall besetzen wollen, auch weil es ein margenstarkes Wachstumsfeld ist», sagte Konzernchef Gunnar Groebler bei der Vorlage der Bilanz für 2025. Vom Volumen bleibe das zwar ein Nischenmarkt. «Aber ein sehr attraktiver Nischenmarkt.»
Die Schwäche der Autoindustrie als bisherigem Hauptabnehmer werde der Verteidigungsbereich aber «definitiv» nicht ausgleichen können, fügte der Vorstandschef hinzu. Doch das Volumen, laut Groebler bislang vernachlässigbar, soll spürbar steigen. Mit ersten Erfolgen rechnet das Unternehmen im zweiten Halbjahr, binnen drei Jahren soll der Anteil der Verteidigung am Konzernumsatz dann auf einen Wert im einstelligen Prozentbereich steigen.
«Wir haben im letzten Jahr fast alle Freigaben der Bundeswehr erreicht und sind damit jetzt auch lieferfähig gegenüber der Bundeswehr», sagte Groebler. Zudem wurde mit Thyrolf & Uhle aus Dessau ein Spezialanbieter für Sicherheitsstahl gekauft. «Wir sind so gut aufgestellt, dass wir an diesem wachsenden Markt deutlich partizipieren können und auch partizipieren wollen.»
Effizienzprogramm wird ausgeweitet
Helfen soll zudem das seit 2022 laufende Effizienzprogramm, das nun noch einmal erweitert wurde: Statt der zuletzt bis 2028 angepeilten 500 Millionen Euro Ergebnisverbesserung soll es nun 575 Millionen bringen. Die ersten 250 Millionen Euro seien bereits 2025 erreicht worden. «2026, werden wir nochmal einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag holen», sagte Groebler. 122 Millionen Euro seien in diesem Jahr angepeilt, nach 129 Millionen Euro im vergangenen Jahr.
«Wir sind im Jahr 2025 deutlich über unser Ziel hinausgekommen», sagte Groebler. Das selbst gesteckte Ziel sei um ein Drittel übererfüllt worden. Stellen wurden dabei kaum abgebaut: Die Stammbelegschaft schrumpfte nur um gut 400 auf rund 24.000 Beschäftigte. «Das Programm ist so angelegt, dass wir hier nicht über Personalmaßnahmen sprechen, also keine Strukturmaßnahmen», sagte Groebler. Gespart werde stattdessen etwa bei Beschaffung und Logistik.
Rückkehr in die Gewinnzone in Sicht
Im vergangenen Jahr hat der Stahlkonzern seine Verluste trotz eines schwachen Stahl-Umfeldes bereits deutlich reduziert. 2025 standen unter dem Strich 69,8 Millionen Euro Verlust, nach einem Fehlbetrag von 347,9 Millionen Euro im Jahr zuvor, wie das Unternehmen mitteilte. 2024 war das Ergebnis noch von hohen Wertberichtigungen, Rückstellungen und Umbaukosten geprägt gewesen.
Vor Steuern lag das Minus 2025 bei 28 Millionen Euro. 2026 peilt das Unternehmen wieder einen bereinigten Vorsteuergewinn von 75 bis 175 Millionen Euro an. Das hatte der Stahlkonzern, der nun wieder im MDax der mittelgroßen Werte notiert ist, bereits im Februar bei seinen vorläufigen Zahlen angekündigt. Auch der zuletzt rückläufige Außenumsatz soll wieder steigen - von 8,98 auf rund 9,5 Milliarden Euro. 2024 waren es noch 10,01 Milliarden Euro gewesen.
Noch nicht eingerechnet ist dabei die geplante Übernahme der Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) von Thyssenkrupp Steel zum 1. Juni 2026. Thyssenkrupp Steel hatte zuvor angekündigt, sich aus dem Gemeinschaftsunternehmen zurückziehen oder es schließen zu wollen. Bisher hält Thyssenkrupp dort 50 Prozent, Salzgitter 30 Prozent.
Stahlhütte HKM soll Russland-Lücke füllen
Bis Ende Mai soll der Kauf unter Dach und Fach sein, sagte Groebler. Noch stehe ein Sanierungsgutachten aus, das aber in Arbeit sei, sowie die Freigabe durch die Kartellbehörden. Er sehe aber keine Anzeichen für Verzögerungen. «Ziel ist, dass wir zum Sommer diesen Jahres die HKM vollständig übernehmen.» Und, so Groebler weiter: «Wirtschaftlich ist es für uns attraktiv.»
Innerhalb von drei Jahren soll HKM dann radikal umgebaut werden: Die beiden Hochöfen sollen durch Anlagen für Grünen Stahl ersetzt werden, die Belegschaft früheren Angaben zufolge von bisher 3.000 auf 1.000 schrumpfen. «Der Zeitplan ist ambitioniert, das wissen wir», sagte Groebler. Grund seien vor allem die bereits bewilligten Fördermittel für den Umstieg auf Grünstahl, die einen Drei-Jahres-Zeitraum vorsähen. «Wir werden erste Schritte der Transformation in diesem Jahr auf jeden Fall noch sehen.»
Langfristig sieht er für HKM eine gute Zukunft. Denn das Unternehmen liefere auch Vorprodukte für die boomende Rüstungsindustrie. Zudem solle HKM nach dem Umbau das Portfolio erweitern und Vorprodukte ins Sortiment nehmen, die bisher aus Russland kamen. Das, so Grobeler, stärke den europäischen Binnenmarkt und fülle die Lücke, die durch die Sanktionen gegen Russland entstehe.
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