Deutschlands einzige Erdöl-Bohrinsel liegt im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer im Natura 2000-Gebiet, rund zehn Kilometer vor Friedrichskoog. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert seit Jahren die Öl-Förderung in diesem unter besonderen Naturschutz stehenden Gebiet.
Ende 2024 reichte die DUH gegen das niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) Klage ein wegen der erteilten Betriebsgenehmigung der Plattform Mittelplate. Im Eilverfahren entschied das Verwaltungsgericht Schleswig, dass die Bohrinsel derzeit keine vollziehbare Fördererlaubnis hat. Demnach habe eine Prüfung, ob sich die Ölförderung mit der Natur dort vertrage, bisher nicht stattgefunden.
Der Betrieb darf bis auf weiteres fortgesetzt werden
Der Betreiber der Bohrinsel, Habour Energy Germany, widerspricht der Darstellung. In der Vergangenheit hätten mehrere Verträglichkeitsprüfungen gemäß der europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) stattgefunden, so ein Sprecher. Das Unternehmen legte Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht ein. Dieses entschied im März, dass der Betrieb bis zu einer endgültigen Entscheidung im Hauptverfahren fortgesetzt werden darf.
Der Unternehmenssprecher sagte, die Plattform werde nach den höchsten Sicherheits- und Umweltstandards betrieben. Ausnahmslos alle Abfälle vom Bohrklein bis zum Regenwasser würden gesammelt und an Land entsorgt. Die elektrisch betriebene Bohranlage habe einen besonders leisen und vibrationsarmen Antrieb.
«Die heimische Energie- und Rohstoffproduktion ist zweifellos sicherer und umwelt- und klimafreundlicher als der Import von Rohstoffen», betonte er. «Gerade in der derzeitigen geopolitischen Lage und Energiekrise sollte Mittelplate weiterhin ihren wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten.» Aus dem Ölfeld stammt allerdings nur gut ein Prozent des jährlichen Erdölverbrauchs in Deutschland. «Für einzelne Verbraucher wäre ein Förderstopp kurzfristig kaum spürbar», räumt Harbour Energy ein.
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