Seit Wochen ist die Straße von Hormus weitgehend unpassierbar für Schiffe, die Verwerfungen für die Weltwirtschaft sind allgegenwärtig, spürbar vor allem an der heimischen Tankstelle. Das Schicksal Hunderter Seeleute gerät da leicht aus dem Blick. Sie harren seit Wochen im Persischen Golf auf Schiffen aus, ohne klare Perspektive, wie es für sie weitergeht. Denn nach mehr als zwei Monaten Krieg der USA und Israels mit dem Iran sieht es nicht danach auf, dass der Konflikt um die Meerenge bald gelöst ist - trotz Waffenruhe.
Wie viele Seeleute und Schiffe sind in der Region betroffen?
Nach Angaben der International Maritime Organisation (IMO) sind es rund 20.000 Seeleute, Hafenarbeiter und Offshore-Besatzungen. Darunter sind dem VDR zufolge 47 Schiffe mit einem deutschen Bezug. «Insgesamt sind zehn deutsche Reedereien betroffen», sagt VDR-Präsidentin Gaby Bornheim. Rund 1.000 Seeleute sollen sich auf diesen Schiffen, etwa Containerschiffen, befinden.
Zwei deutsche Kreuzfahrtschiffe, die «Mein Schiff 4» und die «Mein Schiff 5» von TUI Cruises, hatten Mitte April die Straße von Hormus durchqueren können. «Das war aber nur ein sehr kurzes Zeitfenster», sagt Bornheim. Nämlich kurz nachdem der Iran die Öffnung der Meerenge verkündet hatte. Weil die USA aber an der Blockade iranischer Häfen festhielten, ging der Iran wieder auf Konfrontationskurs und nahm die Ankündigung zurück.
Wie geht es den Besatzungen auf den blockierten Schiffen?
«Die Situation ist schon noch sehr angespannt für die Crews und die Besatzungen an Bord, weil sie quasi gefangen sind an Bord und überhaupt keine Zukunftsperspektive haben, wann sich die Lage mal entspannt», sagt Kröger.
Was die Versorgung betrifft, sagt VDR-Präsidentin Bornheim mit Blick auf die Seeleute auf den Schiffen mit deutschem Bezug: «Sie sind, soweit wir das sagen können, gut versorgt.» Viele Schiffe lägen in der Nähe von Häfen, sodass es Möglichkeiten gebe, Proviant und Frischwasser aufzunehmen.
Viele Reedereien stehen laut Reeder-Verband mehrmals täglich mit ihren Kapitänen und Crews in Kontakt, etwa um Lageeinschätzungen auszutauschen. Die Sicherheit der Crews stehe jederzeit an erster Stelle, heißt es. Kontakt zu ihren Familien können die Seeleute über Satelliten-Internetverbindungen halten.
Zeitgleich müssen sich die Besatzungen an Bord weiter um den Schiffsbetrieb kümmern. Handelsschiffe können nicht einfach wie ein Auto «abgestellt» werden, sagt VDR-Hauptgeschäftsführer Kröger. Auch wenn ein Schiff auf Reede liege, müssten die Maschinen betrieben werden.