Vier gewinnt. Dieses Motto soll am Samstag auch für die Volleyballer der SVG Lüneburg gelten. Zum vierten Mal steht der niedersächsische Bundesligist im Pokalendspiel – und nun soll es endlich mit dem ersten Titel in der Vereinshistorie klappen. «Alle träumen davon. Die Fans und der Verein wünschen sich das», sagt Stefan Hübner. Der 50-Jährige ist seit 2014 Trainer der «Lüne-Hünen» und der wohl wichtigste Faktor für den Erfolg der Schmetter-Künstler von der Ilmenau.
In der Mannheimer SAP-Arena geht es am Samstag vor mehr als 12.000 Zuschauern gegen Rekord-Pokalsieger VfB Friedrichshafen. Bislang 17 Mal hat das Team vom Bodensee den Pokal gewonnen - 2015, 2019 und 2022 auch im Finale gegen Lüneburg. Nicht nur nach dem Willen der SVG-Fans soll das jetzt anders werden. «Wir haben eine gute Mannschaft dieses Jahr, wir spielen eine gute Saison und das Team hat Selbstvertrauen aufgebaut», sagt Hübner
Tabellen-Zweiter hinter Dauermeister Berlin Volleys
In der Bundesliga steht die SVG hinter Abonnementsmeister Berlin Volleys auf Platz zwei. Aber nur, weil die Hauptstädter bislang ein Spiel mehr bestritten haben. In den bislang 24 Spielen gab es 22 Siege. Unter anderem wurde auch der aktuelle Tabellenvierte Friedrichshafen zweimal geschlagen. Für den Lüneburger Coach, einst selbst ein Weltklasse-Mittelblocker und 245-maliger deutscher Nationalspieler, hat das aber nur wenig Aussagekraft: «Im Sport macht eins und eins nur selten zwei», sagt der 50-Jährige.
Die Entwicklung der SVG ist beeindruckend. 2005 gegründet, folgte 2014 der Aufstieg in die Bundesliga. 2021 gab es das erste Spiel in der neuen LKH-Arena, dem maximal 3.500 Zuschauer fassenden Schmuckkästchen an der Lüner Rennbahn. 2024 ging es bis in das Finale des CEV-Cups, des zweitwichtigsten Europapokals. Im vergangenen Jahr stand die SVG im Viertelfinale der Champions League und erstmals in der Finalserie um die deutsche Meisterschaft, die aber mit 0:3 gegen Berlin verloren ging.
Achtungserfolg in der Königsklasse
In der laufenden Serie beendete Lüneburg die Gruppenphase in der Champions League auf Rang drei und setzt die internationale Reise im März im CEV-Pokal fort. Immerhin gelang aber Ende Januar mit dem 3:1 über Asseco Resovia Rzeszow erstmals ein umjubelter Sieg gegen ein Team aus der polnischen Liga, der wohl stärksten der Welt.
Immer wieder schafft es Stefan Hübner, trotz massenhafter Abgänge am Ende einer Serie ein erfolgreiches Team zu formen. 2024 verließen sieben Spieler – vor allem dank lukrativerer Angebote aus dem Ausland – den Club. 2025 waren es deren neun, zehn neue Spieler kamen.
«Ich hatte schon ein sehr gutes Gefühl, dass das gut werden kann», sagt der Coach über seine neu formierte Mannschaft. Vor allem der erst 18 Jahre alte Diagonalangreifer Axel Enlund hat es ihm angetan. «Was der Junge mit 18 Jahren spielt, ist schon beeindruckend. Wir haben natürlich Potenzial und Talent gesehen, aber wie reif er das schon macht, war nicht zu erwarten», sagt Hübner über den 2,05 Meter großen Schweden.
Große Fanunterstützung in Mannheim
Schon jetzt wird in Lüneburg über 2027 nachgedacht. Hübner: «Es läuft parallel, wir bauen schon wieder an der Mannschaft für nächstes Jahr.»
Der Fokus richtet sich aber erst einmal auf das Pokalfinale, das im kommenden Jahr nach Köln weiterziehen wird. Eine ganze Woche hat das Team zur Vorbereitung. Angesichts des sonst extrem eng getakteten Spielplans mit zwei Partien in der Woche und ebenso weiten wie anstrengenden Reisen ein seltener Luxus. Hübner: «Die Jungs sind körperlich gut drauf, aber es ist vom Emotionalen her eine Herausforderung. Immer wieder hochfahren, runterfahren, hochfahren.»
Die «Lüne-Hünen» haben in Mannheim eine große Fanunterstützung. «Wir erwarten 1.200 Lüneburger in der Halle», sagt Manager Matthias Pompe. 500 von ihnen werden mit einem Sonderzug anreisen. «Wir mussten sogar einen Waggon anhängen», sagt Pompe zu dem großen Ansturm der Anhängerschaft. Was dann bei der Rückreise los sein wird, sollte die SVG Lüneburg tatsächlich den ersten Titel der Vereinsgeschichte feiern, kann man sich schon jetzt bildlich vorstellen.
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