Nach dem Ja der Hamburgischen Bürgerschaft zum umstrittenen Einstieg der weltgrößten Reederei MSC beim Hafenlogistiker HHLA gibt sich die Gewerkschaft Verdi kämpferisch. Mit «Tag eins» der MSC-Zeitrechnung «werden wir mit unserem guten Organisationsgrad im Hafen weiter für jeden Arbeitsplatz in den Ring steigen», sagte Hamburgs Verdi-Chefin Sandra Goldschmidt. Im Grunde zeige sich hier erneut, «dass wir der Macht der Konzerne, hier besonders der Reedereien, nur in gemeinsamer, auch internationaler Solidarität etwas entgegensetzen können.» Genau das sei die Idee von Gewerkschaften.
Verdi: Ein schwarzer Tag für Hamburg
«Das ist ein schwarzer Tag für Hamburg», sagte Goldschmidt. Dieser Deal sei das Ergebnis einer kurzsichtigen, der Idee des Standortwettbewerbs und anderer rückwärtsgewandter Konzepte folgenden Logik. Antworten auf die wirklichen Zukunftsfragen, zum Beispiel, welche Rolle der Hamburger Hafen in der sozial-ökologischen Transformation unter den Vorzeichen von Globalisierung und Klimakrise spielen soll, bleibe der Senat schuldig. «Stattdessen leistet er Beihilfe zur Monopolbildung der weltgrößten Reederei MSC, die durch die Missachtung von Beschäftigten- und Umweltrechten auffällt», sagte Goldschmidt.
Verdi wirft dem Senat zudem vor, die politische Kontrolle über öffentliches Eigentum und zugleich kritische Infrastruktur abzugeben, da MSC in wichtigen Fragen ein faktisches Vetorecht erhalte. Auch mache der Gewerkschaft Sorge, dass MSC keine besondere Nähe zur Idee der Sozialpartnerschaft zeige. «Hinzu kommt, dass wir nicht nur die HHLA, sondern auch die Beschäftigten anderer Hafenunternehmen im Blick haben, die Befürchtungen dieser Beschäftigten ignoriert der Senat konsequent», sagte der Verdi-Fachbereichsleiter für maritime Wirtschaft, André Kretschmar.
Copyright 2024, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten