In der Debatte über mögliche Einschränkungen sozialer Medien für Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren warnt die Psychotherapeutenkammer Niedersachsen vor zu einfachen Lösungen. Verbote allein griffen zu kurz und hätten nicht den gewünschten Effekt, teilte die Kammer mit. Stattdessen brauche es verbindliche Schutzmechanismen und klare Regeln für Plattformanbieter.
Die Verantwortung für einen gesunden Umgang mit digitalen Medien dürfe nicht auf Heranwachsende abgewälzt werden, heißt es in einem Positionspapier der Kammer. Vor allem Plattformanbieter und die Politik müssten stärker in die Pflicht genommen werden. Freiwillige Maßnahmen reichten nicht aus.
Kammerpräsidentin Kristina Schütz sagte, die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sei ein komplexes Thema. Klar sei aber: Kinder- und Jugendschutz müsse auf Plattformen konsequent durchgesetzt werden.
Kammer fordert mehr Medienkompetenz – auch bei Erwachsenen
Dazu gehörten etwa Regeln zu Nutzungszeiten, suchtfördernden Mechanismen, manipulativen Algorithmen und jugendgefährdenden Inhalten. Auch eine wirksame Altersverifikation könne Plattformen stärker in die Verantwortung nehmen.
Zugleich fordert die Kammer mehr Medienkompetenz – nicht nur bei Kindern und Jugendlichen, sondern auch bei Erwachsenen. Eltern müssten befähigt werden, ihre Kinder beim Umgang mit digitalen Medien gut zu begleiten. Dazu gehöre auch, das eigene Nutzungsverhalten zu hinterfragen.
Studienlage zur Nutzung sozialer Medien bislang nicht eindeutig
Nach Einschätzung der Kammer ist die Studienlage zur Nutzung sozialer Medien durch Heranwachsende bislang nicht eindeutig. Hinweise gebe es aber darauf, dass lange Nutzungszeiten, passiver Konsum und belastende Inhalte wie Cybermobbing negative Folgen für das psychische Wohlbefinden haben könnten. Psychotherapeuten erlebten in Praxen, Kliniken und Beratungsstellen, dass exzessiver Medienkonsum die Entwicklung von Heranwachsenden beeinträchtigen könne.
Die Kammer fordert zudem einen Ausbau psychotherapeutischer Behandlungsangebote. Außerdem müssten junge Menschen stärker in die Debatte einbezogen werden, weil mögliche Verbote unmittelbar in ihre Lebenswelt eingriffen.
Auch Armut oder Gewalt haben großen Einfluss auf Wohlbefinden
Schutz vor digitalen Gefahren sei wichtig, dürfe aber nicht isoliert von realen Lebensbedingungen betrachtet werden. Armut, Vernachlässigung, Gewalt, Diskriminierung und Leistungsdruck hätten großen Einfluss auf das Wohlbefinden von Heranwachsenden.
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