Die Abschiebung einer russischen Familie, die sich im Kirchenasyl im Landkreis Uelzen befand, hat deutliche Kritik von Kirchenvertretern und des Flüchtlingsrates ausgelöst. «Wir sind geschockt vom Vorgehen der Landesaufnahmebehörde. Der Zugriff und die Festnahme der Familie an einem Sonntag und die Missachtung des Kirchenasyls per se erschüttert und erschreckt uns zutiefst», sagte der Pastor der Kirchengemeinde Bienenbüttel, Tobias Heyden, in einer Mitteilung des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Uelzen und der St.-Michaelis-Kirchengemeinde Bienenbüttel. Innenministerin Daniela Behrens verteidigte am Mittwoch in einer Stellungnahme das Vorgehen der Behörden. Die SPD-Politikerin lud Vertreter der evangelischen Kirche und der Landesaufnahmebehörde zu einem Gespräch zu sogenannten Härtefällen im Kirchenasyl Ende Mai ein.
Polizei holt Familie aus Gemeindehauswohnung
Am vergangenen Sonntag verschaffte sich laut der Kirchengemeinde die Polizei mit einem Durchsuchungsbeschluss, der für das Gemeindehaus, das Pfarrhaus und alle zugehörigen Gebäude galt, Zutritt zur Gemeindehauswohnung, in der die vierköpfige Familie untergebracht war. Polizeibeamte brachten die Familie zum Flughafen Köln/Bonn, von dort wurde sie nach Barcelona geflogen. Das Innenministerium und die Landesaufnahmebehörde Niedersachsen bestätigten die Abschiebung. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge habe die persönlichen Umstände jedes Familienmitgliedes geprüft, hieß es. Demnach lag kein Härtefall vor. Die zuständige Ausländerbehörde habe daher die Überstellung eingeleitet, Spanien habe die sogenannte Rückübernahme der Familie genehmigt.