Die Leuphana Universität Lüneburg plant, die mögliche Beteiligung eines ehemaligen Professors an einem weitverzweigten Missbrauchsnetzwerk gründlich aufzuarbeiten. Es soll eine unabhängige Expertenkommission eingerichtet werden, bestätigte Sprecher Henning Zühlsdorff am Montag einen Bericht des NDR. «Aus Gründen der Transparenz haben die Fachleute unseres Hauses vorgeschlagen, eine externe Kommission zu bilden», sagte er. Drei externe Wissenschaftler sollen den Fall des verstorbenen Professors untersuchen, ein unabhängiger Beirat soll für die Kommunikation zur Uni sorgen.
Im Laufe des Sommersemesters könnte die Untersuchung starten, das Uni-Präsidium wird zeitnah darüber entscheiden. «Ziel ist es, das gesamte Werk kritisch zu analysieren und auch die von ihm betreuten Promotionen», ergänzte Zühlsdorff. Es hätten sich bisher noch keine Betroffenen gemeldet. Die Hochschule hatte zuvor Hilfe und Unterstützung angeboten.
Ein Forschungsbericht der Universität Hildesheim hatte aufgedeckt, dass jahrzehntelang Minderjährige aus der Kinder- und Jugendhilfe gezielt an vorbestrafte Pädokriminelle vermittelt worden waren. Im Mittelpunkt des bundesweiten Netzwerks soll der in Köln geborene Sozialpädagoge Helmut Kentler stehen, der 2008 gestorben ist. Er war in den 1960er und 1970er Jahren Abteilungsleiter am Pädagogischen Zentrum Berlin und anschließend Professor für Sozialpädagogik an der Universität Hannover.