Mit Bestürzung hat die Leuphana Universität Lüneburg auf Enthüllungen reagiert, nach denen ein ehemaliger Professor Teil eines Missbrauchsnetzwerks gewesen sein soll. Jahrzehntelang waren Minderjährige aus der Kinder- und Jugendhilfe gezielt an vorbestrafte Pädokriminelle vermittelt worden - und das mithilfe eines deutschlandweiten Netzwerkes. Ein am Freitag veröffentlichter Forschungsbericht der Universität Hildesheim beschreibt die Taten rund um den in Köln geborenen Sozialpädagogen Helmut Kentler, der 2008 gestorben ist.
Der Lüneburger Wissenschaftler war laut Bericht ein zentraler Akteur, der diese Verbindungen über die Hansestadt hinaus ausgebaut hat. Er habe in den 1970er Jahren in Adendorf bei Lüneburg eine Sonderpflegestelle innegehabt und soll seine Pflegesöhne missbraucht haben. Bis 2009 arbeitete er als Professor für Sozialpädagogik. 2017 starb er.
Das Universitätspräsidium sowie die Wissenschaftler des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik der Leuphana kündigten an, den konkreten Lüneburger Fall in einem tiefergehenden Aufklärungsprozess zu untersuchen. Überdies wollen sie mögliche weitere Betroffene dazu ermutigen, sich zu melden, um ihnen Hilfe und Unterstützung anbieten zu können.