«Man soll die Rechtsradikalen ernst nehmen! Sie meinen, was sie sagen.» Wenn der Auschwitz-Überlebende Leon Weintraub im Interview diese Mahnung geradezu ausruft, werden seine Augen groß und er richtet den Oberkörper auf. Am 1. Januar feiert der in Stockholm lebende, adrett gekleidete Herr seinen 100. Geburtstag. Er plane nach wie vor zahlreiche Vorträge und Besuche in Deutschland. «Ich möchte junge Menschen aufklären, was das wahre Gesicht eines krankhaften Nationalismus ist, weil ich das am eigenen Körper erlebt habe.» Im kommenden März wird er dafür mit dem Göttinger Friedenspreis ausgezeichnet.
Weintraub ist einer von weltweit laut Jewish Claims Conference noch etwa 220.000 Holocaust-Überlebenden. Die jüngsten sind 78, die ältesten über 100 Jahre alt. Wie kann sich die deutsche Erinnerungskultur an die Herausforderung immer älter werdender Zeitzeugen anpassen?