Jahrzehntelang galt der Roman als verschollen, dann taucht das Manuskript in einem alten Koffer in der Oldenburger Landesbibliothek wieder auf: Experten haben zwei Jahre lang Satz für Satz rekonstruiert und den einzigen Roman der Widerstandskämpferin Mopsa Sternheim nun veröffentlicht. Sie könne es noch immer kaum glauben, sagt Corinna Roeder, Direktorin der Landesbibliothek. «Das ist eine literarische Sensation.» Der Roman «Im Zeichen der Spinne» wird heute Abend (19 Uhr) erstmals in der Bibliothek vorgestellt.
Manuskript bleibt unentdeckt in einem Koffer
Der Roman sei aktueller denn je und literarisch hervorragend geschrieben, schwärmt die Leiterin der Landesbibliothek. «Mit einer ganz eigenen, schillernden Sprache.» Vor ihrem Tod im Jahr 1954 infolge einer Krebserkrankung hält Sternheim in ihrem Testament fest, dass ihr Freund - der Oldenburger Kunsthistoriker Gert Schiff - den Roman erhalten und veröffentlichen soll. «Das hat er wohl auch ein-, zweimal versucht, aber ohne Erfolg», berichtet Roeder.
Das Manuskript gerät in einem Koffer in Vergessenheit. Vor zehn Jahren übergibt die Stiftung Gert Schiff das Erbe an die Landesbibliothek. «Der Koffer wurde geöffnet und gleich wieder zugemacht», sagt Roeder. Zu groß sei das Chaos gewesen, mit unzähligen Päckchen und einzelnen Seiten.
«Es gibt kein Blatt, das ohne Korrekturen oder Varianten auskommt», berichtet Rudolf Fietz, der lange Zeit stellvertretender Leiter der Landesbibliothek war und sich in seinem Ruhestand schließlich dem Koffer angenommen hat. Die vielen Korrekturen zeugen von Sternheims selbstkritischer, mitunter von Zweifeln geprägter Arbeit. «Sie war eine tief nachdenkliche Person», ist Mitherausgeberin Gisela Niemöller überzeugt. Beide haben sich den Koffer mit all den Zetteln noch einmal genauer angeschaut - und beschlossen, das Werk zu vollenden.
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