Wer verlegt in Zukunft die Werke von Günter Grass? Das ist seit einigen Wochen offen, denn die Günter und Ute Grass Stiftung hat die Zusammenarbeit mit dem Göttinger Steidl-Verlag im Mai beendet, wie jetzt bekannt wurde. Der Verlag habe sich wiederholt im Zahlungsrückstand befunden, sagte eine Sprecherin der Stiftung. Zuvor hatte der NDR berichtet.
Das renommierte Verlagshaus Steidl hat mit einer finanziellen Schieflage zu kämpfen. Ein vorläufiges Insolvenzverfahren war Anfang Juli über das Vermögen der Steidl GmbH & Co. OHG eröffnet worden, wie das Amtsgericht Göttingen damals mitteilte. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist der Braunschweiger Rechtsanwalt Stefan Liese, nach Auskunft von dessen Büro geht es unter anderem um unbezahlte Sozialabgaben.
Nach den Worten des Göttinger Arbeitsrechtlers Sascha John, der nach eigenen Angaben den Großteil der Steidl-Mitarbeiter vertritt, sind noch mehrere Klagen offen. Es gehe um nicht oder verzögert bezahlte Gehälter.
Die Entscheidung der Grass-Stiftung fiel bereits vor Eröffnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens. Der Verlag hatte die Grass-Rechte seit 1993 gehalten. «Der Steidl-Verlag nimmt die Rechte, die ihm ursprünglich übertragen worden waren, nicht mehr wahr», sagte die Sprecherin. Die Stiftung führe nun Gespräche mit anderen Verlagen. Diese seien aber noch vertraulich.
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