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VW eröffnet in Zwickau erste Demontagelinie für gebrauchte Autoteile

VW eröffnet in Zwickau erste Demontagelinie für gebrauchte Autoteile
Blick auf das Volkswagen-Werk in Zwickau. Dort werden künftig nicht nur Autos gebaut, sondern Altfahrzeuge auch im Zwei-Schicht-Betrieb zerlegt. (Archivbild) / Foto: Jan Woitas/dpa
In Zwickau werden fortan nicht mehr nur neue Autos gebaut, sondern auch Altfahrzeuge zerlegt und recycelt. Damit ist der Standort einmal mehr Vorreiter im VW-Konzern.

Seit mehr als 100 Jahren werden in Zwickau Autos gebaut, nun werden sie dort serienmäßig auch wieder zerlegt. Am Mittwoch eröffnete der Autobauer Volkswagen an dem Standort seine erste Demontagelinie. Damit will er sich auch neue Erlöse im Handel mit gebrauchten Autoteilen erschließen. Bei Umbau und Genehmigungsverfahren drückten die Sachsen aufs Tempo: In neun Monaten wurde die neue Demontage eingerichtet. 

Was passiert mit den Altfahrzeugen in Zwickau?

«Ab heute bauen wir in Zwickau Autos nicht nur zusammen, sondern auch wieder auseinander, mit derselben industriellen Präzision», erklärt VW-Vorstand Thomas Schäfer. In Halle 23 der Autofabrik wurde dazu eine Demontagelinie mit acht Takten aufgebaut. Zunächst wurde der Ablauf an Vorserienfahrzeugen erprobt, künftig soll es vor allem um Gebrauchtwagen gehen.

Dazu werden die Autos zunächst einem Check unterzogen und dann Stück für Stück verwertbare Teile demontiert: Türen, Kotflügel, Leuchten bis hin zu Motor und Getriebe. Die werden jeweils einer Qualitätskontrolle unterzogen, per Foto dokumentiert und einzeln verpackt, um sie Händlern und Werkstätten anzubieten. 

Geht es nur um ein zweites Leben für einzelne Autoteile? 

Ziel des Kompetenzzentrums Kreislaufwirtschaft ist laut Volkswagen, Gebrauchtwagen je nach Zustand neu aufzubereiten oder zu zerlegen. Für die Originalteile gebe es gute Absatzchancen gerade mit Blick auf die Reparatur älterer Fahrzeuge, hieß es. Zudem sollen Rohstoffe wie Stahl, Aluminium und Kunststoffe zurückgewonnen werden. Was nach der Demontage übrig bleibe, soll dazu von Partnern recycelt werden. Die Erfahrungen aus der Demontage sollen zudem in die Entwicklung neuer Autos einfließen. 

Wie viele Gebrauchtwagen werden fortan zerlegt?

Für 2027 ist nach Unternehmensangaben die Demontage von 4.100 Fahrzeugen verschiedener Konzernmarken im Zwei-Schicht-Betrieb geplant. Diese Zahl soll schrittweise auf bis zu 15.000 im Jahr 2030 steigen. Auch die Zahl der Jobs in diesem Segment soll von zunächst 100 auf dann bis zu 1.000 wachsen. 

Gibt es Vorbilder für die Kreislaufwirtschaft in der Autobranche? 

Für Volkswagen ist Kreislaufwirtschaft ein neues Geschäftsfeld. Andere Autobauer sind da schon weiter und betreiben in Europa entsprechende Standorte - etwa Renault, Stellantis und Toyota. Zudem reagiert Volkswagen auch auf Vorgaben der EU. Sie schreibt vor, dass künftig in neuen Fahrzeugen ein Teil des Kunststoffes aus recycelten Material stammen muss. 

Warum wird das neue Geschäftsfeld in Zwickau etabliert?

Der Automobilbau hat in Zwickau nicht nur eine mehr als 100-jährige Tradition. Der Standort gilt auch als sehr flexibel. So war die Autofabrik schon bei der E-Mobilität Vorreiter im VW-Konzern. Angesichts von Überkapazitäten an den deutschen Standorten müssen die Sachsen jedoch Modelle abgeben. Dafür wurde ihnen das neue Geschäftsfeld Kreislaufwirtschaft zugesprochen.

Bis zu 90 Millionen Euro investiert Volkswagen nach früheren Angaben für das neue Kompetenzzentrum am Standort Zwickau. Das Land Sachsen fördert das Vorhaben mit 10,7 Millionen Euro. 

Sichert Kreislaufwirtschaft die Zukunft des Zwickauer VW-Werks?

Die Autofabrik in Zwickau gehört zu den vier deutschen Standorten von VW und Audi, denen Anfang der 2030er Jahre das Ende der Autoproduktion droht. Aktuell arbeiten hier rund 8.000 Menschen. Zwar bietet die Demontage von älteren Fahrzeugen laut Betriebsrat Beschäftigungspotenzial. Er pocht aber darauf, dass hier auch weiterhin Autos gebaut werden.

«Das Projekt kann ein wichtiger Baustein für die Transformation des Standorts sein, aber es ist keine Garantie für dessen langfristige Zukunft», schätzt Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management. Entscheidend sei, ob das Werk in Zwickau auch künftig wettbewerbsfähig neue Fahrzeuge produzieren könne.

Wie bewerten Politik und Gewerkschaft den Schritt? 

Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) spricht von einem «wichtigen Meilenstein für die Zukunft des Automobillandes Sachsen». Mit dem Thema Kreislaufwirtschaft übernehme der Standort Zwickau erneut eine wichtige Vorreiterrolle im VW-Konzern. Es eröffne neue Geschäftsfelder, schaffe zusätzliche Wertschöpfung und biete langfristige Beschäftigungsperspektiven. 

Es sei das richtige Signal, dass VW nun endlich mit dem Einstieg in die Kreislaufwirtschaft in Zwickau loslege, erklärt IG Metall-Bezirksleiter Jan Otto. «Die Eröffnung der Demontagelinie hätten wir uns allerdings früher und in größerer Dimension mit mehr Arbeitsplätzen gewünscht.» Das Management trage Verantwortung, nicht nur die Demontagelinie rasch auszubauen, sondern die Autofabrik dauerhaft auszulasten und für Beschäftigung zu sorgen. 

Welches Ertragspotenzial hat Kreislaufwirtschaft für VW?

Was VW mit dem neuen Geschäftsfeld künftig an Umsatz erwirtschaften will, ließen Unternehmensvertreter auf Nachfrage offen. Der Einstieg sei für Volkswagen strategisch sinnvoll und perspektivisch auch wirtschaftlich interessant, konstatiert Branchenexperte Bratzel. Angesichts geringer Stückzahlen dürfe das Ertragspotenzial kurzfristig aber nicht überschätzt werden. 

Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer ist dagegen skeptisch. Demontage und Recycling von Altfahrzeugen könnten Unternehmen der Recycling-Branche wohl besser und kostengünstiger, erklärt er. Ein Zukunftsthema sieht er vielmehr speziell in der Aufbereitung von Batterien von E-Autos.

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