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Hamburger Wasserschutzrevier in Cuxhaven reicht bis knapp vor Helgoland

Hamburger Wasserschutzrevier in Cuxhaven reicht bis knapp vor Helgoland
Die «Bürgermeister Brauer» sorgt bis kurz vor Helgoland für Sicherheit im Schiffsverkehr. (Archivbild) / Foto: Marcus Brandt/dpa
Von: DieNiedersachsen News
Eigentlich ist Polizei Ländersache. Doch die Hamburger Wasserschutzpolizei sorgt für Sicherheit im Schiffsverkehr weit über die Grenzen des Stadtstaats hinaus. Und das schon sehr lange.

Von der Spitze des Hamburger Rathauses bis zum Alten Fischereihafen in Cuxhaven an der Elbmündung sind es knapp 100 Kilometer Luftlinie. Doch der lange Arm der Hamburger Wasserschutzpolizei reicht weit darüber hinaus - «bis knapp vor Helgoland», sagt Toni Öllermann, Leiter des Wasserschutzpolizeikommissariats 4 in Cuxhaven - genauer: des Hamburger Wasserschutzpolizeikommissariats im niedersächsischen Cuxhaven.

Hamburger Wasserschutz-Revier bis kurz vor Helgoland

«Das Reviergebiet reicht über 77 Seemeilen von Stade bis zur Tonne E3», sagt Öllermann. Zur Einordnung: 77 Seemeilen entsprechen mehr als 142 Kilometern. Und die Tonne E3 ist ein Seezeichen, das knapp 17 Kilometer südlich von Helgoland und rund 30 Kilometer nordwestlich von Scharhörn den Schiffen aus der Nordsee die Einfahrt in die Elbemündung weist. 

Scharhörn markiert den nördlichsten Landpunkt Hamburgs und ist - mal abgesehen von einem Vogelwart - unbewohnt. Südwestlich davon wurde für Seevögel Ende der 1980er Jahre Nigehörn im Hamburgischen Wattenmeer aufgespült. Seither markiert die menschenleere Düneninsel den westlichsten Punkt des Stadtgebiets.

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Verwaltungstechnisch gehören beide Eilande zur Insel Neuwerk, die wiederum als kleinster Hamburger Stadtteil mit ihren knapp 40 Einwohnern im Bezirk Hamburg-Mitte liegt - 14 Kilometer von Cuxhaven entfernt.

Gebiet um Cuxhaven gehörte jahrhundertelang zu Hamburg 

Doch wie kommt nun die Hamburger Wasserschutzpolizei ins niedersächsische Cuxhaven? «Das hat zum einen historische Gründe», sagt Öllermann. Über Jahrhunderte habe der strategisch wichtige Flecken an der Elbmündung bereits zum Hamburger Stadtgebiet gehört - als Schutz vor Piraten.

Seit Ende des 14. Jahrhunderts sicherten die Hamburger ihren Schiffs- und Warenverkehr dort, wo heute Cuxhaven liegt. Erst mit einer von den Nationalsozialisten durchgeführten Gebietsreform und dem sogenannten Groß-Hamburg-Gesetz fiel Cuxhaven 1937 an die preußische Provinz Hannover - und in der Bundesrepublik schließlich an Niedersachsen.

Die Zuständigkeit für die Überwachung des Schiffsverkehrs - vom Hafen der Hansestadt bis zur Elbmündung - blieb aber immer bei der Hamburger Wasserschutzpolizei. 

Schiffsverkehr regeln statt Piraten jagen

Piraten gehören heute längst nicht mehr zum Tagesgeschäft von Öllermann und seinen Kollegen - aber noch immer geht es vor allem um den Schutz des Schiffverkehrs aus und in die Elbe. «Auf Neuwerk sind wir darüber hinaus für alle polizeilichen Aufgaben zuständig», sagt der Kommissariatsleiter. «Dort machen wir all das, was auch ein Schutzpolizist in Hamburg bearbeiten muss: von der Körperverletzung bis zum Verkehrsunfall.» 

Allzu häufig komme das allerdings nicht vor. «Der letzte Unfall mit einem Wattwagen liegt schon ein paar Jahre zurück», sagt der 57-Jährige.

Zu den wasserschutzpolizeilichen Aufgaben zählten die Bearbeitung von Schiffsunfällen und die Überwachung der Einhaltung der Verkehrsvorschriften für Seeschiffe und Sportboote. «30 bis 40 Sportbootunfälle gibt es im Schnitt pro Jahr», sagt Öllermann. «Und wir bearbeiten auch Gewässerverunreinigungen.»

Mit «Bürgermeister Brauer» auf Streifenfahrt

Eine besondere Bedeutung kommt dabei der «Bürgermeister Brauer» zu. Das 29 Meter lange Küstenstreifenschiff ist Hamburgs schwimmender «Peterwagen» in der Elbmündung. Das 2024 in Estland fertiggestellte Schiff verfügt über einen Plug-in-Hybrid-Antrieb: Neben zwei Dieselmotoren arbeiten im Maschinenraum auch zwei Elektromotoren. Außerdem zwei Hilfsdiesel für die Generatoren. 

Wer wie auf herkömmlichen Schiffen viel Mechanik und ölverschmierte Rohrleitungen vermutet, wird enttäuscht. «Wir haben hier sehr viel mehr Elektronik», sagt Streifenführer Alexander Wiegleb, der als Bayer über die Bundesmarine zur Seefahrt kam. «Allein im Motorenraum wurden 20 Kilometer Kabel verlegt.» Große Batterie-Packs versorgen das Schiff mit Strom. Über einen Touchscreen wird der gesamte Antrieb gesteuert. 

Rund zwei Stunden kann die «Bürgermeister Brauer» rein elektrisch fahren - bei circa 12 bis 14 Knoten. Kommen die Dieselmotoren hinzu, geht noch mehr. «Wenn die richtigen Bedingungen herrschen und wir die Hebel auf die Back legen, können wir bis zu 25 Knoten schnell fahren», sagt der 46-Jährige. Umgerechnet sind das gut 45 Stundenkilometer. «Das hängt aber auch immer ein bisschen von der Strömung ab.»

Rechtsfahrgebot auch in der Elbmündung

An diesem Tag geht es nicht ganz so schnell hinaus auf die Nordsee. Auch der Steuerstand des Streifenschiffs ist voll mit Technik und erinnert mit seinen Monitoren und Schalthebeln ein bisschen an einen Gaming-Computer.

Wiegleb sitzt am Ruder. Auf der elektronischen Seekarte vor sich sieht er ein Sportboot. «Die Seeschifffahrtsstraße Elbe ist hier von Fahrwassertonnen begrenzt.» Wie auf einer Straße an Land gebe es eine Mittellinie. «Das ist diese rosafarbene Linie hier», erklärt er und zeigt mit dem Finger auf den Monitor. «Und wie an Land gibt es auch hier ein Rechtsfahrgebot.» Heißt: Alle Wasserfahrzeuge müssen so weit wie möglich rechts fahren. 

«Dieses Segelschiff verstößt im Moment dagegen, weil er sich links der Mittellinie befindet», stellt Wiegleb fest und greift zum Hörer. Weil er den dänischen Skipper nicht über den Revierfunkkanal 71 «Cuxhaven Elbe-Traffic» erreichen kann, spricht er ihn über Notrufkanal 16 an und klärt ihn über den Verstoß auf. Sofort ändert der Däne seinen Kurs. Es bleibt bei der freundlichen Verwarnung.

Freizeitkapitäne nicht immer regelkonform unterwegs 

Doch das ist nicht immer so: «Wenn die jetzt beispielsweise schon zwei Stunden lang auf der falschen Seite fahren oder dabei andere Fahrzeuge behindert haben, dann droht auch ein Bußgeld», sagt Wiegleb. «Es kommt immer auf den konkreten Einzelfall an.» 

Regelmäßig müsse er feststellen, dass so mancher Freizeitskipper von den Schifffahrtsregeln keine Ahnung hat. «Deswegen kommt es hier auch immer wieder zu Verstößen, und das behindert oder gefährdet den Rest des Schiffsverkehrs.»

Der größte Teil des Dienstes am WSPK 4 besteht aus Streifenfahrten. Auch das unterscheide den Dienst von dem der Hamburger Schutzpolizei-Kollegen. «Das Leben bei der Wasserschutzpolizei ist nicht so Action-geprägt, wir haben lange nicht so viele Blaulichtfahrten wie die Kollegen in der Stadt», sagt Wiegleb. 

Die Einsätze am WSPK 4 seien nicht weniger anspruchsvoll, «aber von der Schlagzahl her geringer und auch von den Entfernungsdimensionen ganz anders angesetzt», sagt der Streifenführer. Wenn in Hamburg etwas passiere, sei in Windeseile ein Streifenwagen da. «Wenn hier etwas passiert auf der Außenelbe-Reede, dann können wir nicht in fünf Minuten da sein, weil wir eine gewisse Anfahrtszeit haben.»

Hamburger Wasserschutz teils bis nach Sylt zuständig 

Andererseits gebe es auch Kollegen aus Hamburg, «die nach 10 oder 20 Jahren Schutzpolizei zu uns kommen», sagt Stephan Amberge (56), der sich an Bord der «Bürgermeister Brauer» um die Maschine kümmert. «Zum einen, weil sie sich vielleicht mit dem Wechsel zur Wasserschutzpolizei in der Seefahrt neu orientieren wollen, aber auch, weil sie ihr Leben mit Familie etwas ruhiger gestalten wollen.» 

Zwölf Stunden dauert eine Schicht am WSPK 4 normalerweise, im Wechsel Tag und Nacht. Und manchmal auch deutlich länger, wenn es zum Beispiel mit der «Bürgermeister Brauer» auf große Fahrt bis nach Sylt geht, sagt Wiegleb. 

Dabei gehe es darum, «die Revierkenntnis und die örtliche Sachkundigkeit zu verstärken». Denn laut einer Vereinbarung mit Schleswig-Holstein wechselt die Präsenz für diesen Bereich der deutschen Küstengewässer in der Nordsee alle 48 Stunden. Dann reicht der lange Arm der Hamburger Wasserschutzpolizei sogar bis hoch an die dänische Grenze.

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