Nach dem Abschalten des letzten Atomkraftwerks in Niedersachsen im vergangenen Jahr zieht die Landesregierung eine positive Zwischenbilanz. So stieg nach Angaben des Umwelt- und Energieministeriums die Menge des aus erneuerbaren Quellen erzeugten Stroms deutlich an. Erstmals habe Niedersachsen 2023 mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt als verbraucht. «Unser Strom ist zu 100,6 Prozent klimaneutral aus Erneuerbaren Energien und wir exportieren viel erneuerbaren Strom in andere Bundesländer. Wir brauchen den teuren Atomstrom nicht», sagte Minister Christian Meyer (Grüne) am Freitag. Am 15. April 2023 wurden mit den Atomkraftwerken in Lingen, Neckarwestheim 2 und Isar 2 die drei letzten Kernkraftwerke in Deutschland vom Netz genommen.
Energieversorgung zwar sicher, aber teurer
Atomkraftbefürworter machen auf den wegen des Ukraine-Kriegs gestiegenen Energiepreis aufmerksam. Er habe nach wie vor kein Verständnis dafür, dass die Bundesregierung in einer Mangelsituation die letzten Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet hat, sagte der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen, Volker Müller. Die Energieversorgung sei wegen des Atomausstiegs aus seiner Sicht zwar nicht unsicherer geworden, aber doch teurer. «Deshalb hätte man die Atomkraft verlängern sollen, nicht unbestimmt, sondern für die Krisenzeit», sagte Müller. Gleichzeitig hätte man die Energiewende weiter nach vorn bringen müssen.
Auf dem Kraftwerksgelände befindet sich noch strahlendes Material
Nachdem Abschalten des Reaktors in Lingen wurden die Brennelemente aus dem Reaktordruckbehälter genommen und in ein Brennelementlagerbecken umgeladen. Dort werden nach Angaben des Ministeriums die Brennelemente weiter gekühlt, bis sie die Voraussetzungen für eine Beladung in einen Castor erfüllen und anschließend in das benachbarte Standortzwischenlager der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung mbH (BGZ) überführt. Die Brennelemente bleiben dort, bis in Deutschland ein Endlager für hoch radioaktiven Müll gefunden wurde. Nach neuen Planungen des Bundes könne sich das bis 2080 hinziehen.