Auf einen grünen Schlitten lädt Benedikt Wiggering alles, was er gleich im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer braucht: zwei Holzpfähle, einen langen Holzhammer, Kabelbinder, eine Kamera – und ein totes Reh, verpackt in einen blauen Plastiksack. «Wir haben alles», sagt der Biologe zu seinem Kollegen, dem Nationalpark-Ranger Jochen Runar. In Gummistiefeln laufen die beiden vom Auto am Deich in die Salzwiese. Den Schlitten, auf dem der Rehkadaver liegt, ziehen sie hinter sich her.
«Das Tier kommt der Wissenschaft zugute», erklärt Wiggering. Das rund 24 Kilogramm schwere Reh wurde bei einem Verkehrsunfall getötet, der Körper ist weitgehend unversehrt geblieben. Mit dem Kadaver will der Wissenschaftler untersuchen, wie viel anderes Leben dieser in der Natur anzieht. Alles, was in nächster Zeit daran knabbert, flattert und kriecht, interessiert den Forscher.
«Aas fällt dann auf, wenn sich chemisch etwas tut oder dadurch, dass andere Aasfresser da sind», sagt der Biodiversitäts-Experte der Nationalparkverwaltung. Was unappetitlich klingt, ist für die Wissenschaft von großem Nutzen.