Wachen Nationalpark-Ranger bald auch auf der Nordsee?
Sie sind bei jedem Wetter unterwegs, machen das Wattenmeer bei geführten Touren für Gäste erlebbar, und sie schützen den Lebensraum an der deutschen Nordseeküste: die Nationalparkranger. Bislang sind sie an Land im Einsatz – doch geht es nach Plänen von Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg, könnte die Ranger-Truppe bald wachsen und sich ihr Einsatzgebiet auf das Meer erweitern. Ein Überblick über die Pläne: Bislang übernehmen die bei der Nationalparkverwaltung angestellten Rangerinnen und Ranger ausschließlich Aufgaben an Land. Entlang der niedersächsischen Wattenmeerküste und auf den Inseln gibt es zurzeit den Angaben zufolge 14 hauptamtliche Rangerinnen und Ranger – jede und jeder ist für eine einzelne Küstenregion zuständig. Eingeführt wurde das Ranger-System erst gut 30 Jahre nach der Ausweisung des Nationalparks 2015. In Schleswig-Holstein gibt es schon seit 1996 hauptamtliche Rangerinnen und Ranger der Nationalparkverwaltung. Aktuell sind es 17. Die Ranger sind laut Nationalparkverwaltung die «freundlichen Gesichter des Nationalparks vor Ort». Ihre Aufgaben sind vielfältig: Ranger informieren Nationalparkbesucher, übernehmen Monitoringaufgaben, arbeiten an Forschungsprojekten mit und sorgen dafür, dass natürliche Prozesse möglichst ungestört ablaufen können, etwa indem sie Brutvögel schützen. Hoheitliche Befugnisse haben sie nicht – Personalien aufzunehmen oder Verwarngelder zu verhängen, ist also nicht Teil ihres Jobs. Aber die Ranger wachen darüber, dass die Regeln im Nationalpark eingehalten werden. Für Aufgaben auf dem Meer sind bislang keine Rangerinnen und Ranger im Einsatz - das soll sich nun ändern. Dafür sollen sie künftig auch mit Booten unterwegs sein, um auf dem Meer präsent zu sein. «Die Aufgaben werden insbesondere in den Bereichen Schutzgebietsmanagement, Monitoring, Umweltbildung, Besucherlenkung, Kommunikation und Kooperation mit Meeresnutzerinnen und -nutzern liegen», teilte das Schleswig-Holsteinische Umweltministerium mit. Das Projekt Marine Ranger sei explizit auf eine Lückenschließung in diesen Aufgabenbereichen auf der Wasserfläche der deutschen marinen Schutzgebiete ausgerichtet, Synergien mit bestehenden Strukturen und Projekten sollen geschaffen werden. «Alle Stärken, die der bisherige Einsatz von Rangern von Land aus hat, werden auch für den Einsatz von Rangern auf See erwartet», sagte die Sprecherin des Umweltministeriums in Kiel. Sie nennt ein Beispiel: So könnten marine Nationalparkranger etwa Ausfahrten zu den Seehundbänken begleiten. Sie würden dazu beitragen, die Gäste für die Ungestörtheit und damit Schutzbedürftigkeit von Wurf- und Liegeplätzen und den richtigen Umgang mit Robben im Nationalpark zu sensibilisieren. Gleichzeitig könnten sie die Erlebnisse in der Natur unmittelbar und vor Ort verständlich einordnen. Öffentlich bekannt wurde das Vorhaben im Mai. Seitdem sind die Nationalparkverwaltungen und Partnerinstitutionen dazu im Austausch. Bislang gibt es laut Umweltministerium in Hannover einen Projektantrag bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Dieser Antrag sieht vor, dass die Länder ein gemeinsames Konzept für den Einsatz der Ranger auf See entwickeln wollen. Eine Entscheidung der DBU, ob das Projekt gefördert wird, wird für diesen Herbst erwartet. Noch ist darüber also nicht final entschieden. Auch ein möglicher Startzeitpunkt ist nicht bekannt. «Erst die Ergebnisse des angestrebten Projektes werden zeigen, ob, in welchem Umfang und ab wann Rangerinnen und Ranger auf den geschützten Meeresflächen zum Einsatz kommen könnten», teilte das Umweltministerium in Kiel mit. Das ist bislang unklar. Laut Umweltministerium in Hannover wird gerade ein Konzept entwickelt. «Schätzungen zu Investitions-, Betriebs- und Personalkosten liegen noch nicht vor und sollen im Rahmen der Konzeptstudie ermittelt werden», heißt es aus dem Ministerium. Auch eine genaue Zahl der zusätzlichen Ranger sowie deren Verteilung auf die Bundesländer sei noch nicht festgelegt. Während einer Pilotphase solle erst eine geringe Anzahl an Rangerinnen und Rangern eingesetzt werden. Wie viele, ist unbekannt. Das ist auch noch offen. Bislang gibt es im Nationalpark Wattenmeer bereits verschiedene Aufsichts- und Kontrollbehörden, die zuständig sind: Neben der Nationalparkverwaltung etwa Wasserschutzpolizei, Bundespolizei, Zoll, Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung und Fischereiamt. Die Sprecherin des Umweltministeriums in Kiel sagte, Ausstattung, Aufgaben und die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen, Befugnisse und Finanzierung würden im Rahmen der Konzepterstellung konkretisiert. Die Vermeidung von Doppelstrukturen und die Nutzung von Synergien, zum Beispiel mit der Wasserschutzpolizei, sollen bei der Entwicklung berücksichtigt und mit den auf See tätigen Behörden abgestimmt werden. Inwieweit die Ranger neben der Dokumentation von Verstößen auch hoheitliche Befugnisse bekommen sollen, werde im weiteren Projektverlauf mit den zuständigen Behörden geklärt, heißt es vom Umweltministerium in Hannover. Niedersachsens Küstenfischer reagieren irritiert auf die Pläne und verweisen auf den gerade erst zu Ende gegangenen Fischereidialog von Land, Umweltgruppen und Fischern. Die Pläne für solche neuen Nationalpark-Ranger seien bei den Gesprächen «nicht einmal in einem Nebensatz» thematisiert worden, heißt es vom Landesfischereiverband Weser-Ems. «Wir erwarten, dass die Landesregierung umfassend darlegt, welche Planungen für das Küstenmeer bestehen. Ein Dialog lebt von Offenheit und Vertrauen. Die Fischerei fühlt sich in dieser Angelegenheit nicht informiert», sagt der Verbandsvorsitzende Dirk Sander. Enttäuscht sind die Küstenfischer auch, da die von der Bundesregierung eingesetzte Zukunftskommission Fischerei 2025 in ihrem Abschlussbericht vorschlug, die Fischerei angesichts rückläufiger Fangmöglichkeiten bei alternativen Geschäftsmodellen zu unterstützen - etwa bei der Umweltbildung und dem Meeresnaturschutz. «Nun scheint es, dass diese Aufgaben stattdessen einer neu zu schaffenden Rangerstruktur übertragen werden sollen», heißt es vom Landesfischereiverband. Zudem fürchten die Fischer, dass eine «kostenintensive Parallelstruktur» bei den Behörden aufgebaut werde. Ein Kontrolldefizit sei bislang im Wattenmeer nicht zu erkennen. Das WWF Wattenmeerbüro in Husum begrüßt die Pläne. «Ich denke, das ist eine gute Sache», sagte der Programmleiter Wattenmeer beim WWF Deutschland, Jannes Fröhlich. Es sei bisher ein Defizit, dass die Nationalparkverwaltungen mit ihren Rangern nur an Land unterwegs seien. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenWo werden bislang Ranger im Nationalpark eingesetzt?
Was sind die Aufgaben der Ranger im Nationalpark?
Welche Änderungen planen die Wattenmeer-Anrainer?
Warum sollen die Ranger künftig auch auf See unterwegs sein?
Wie weit sind diese Pläne bislang?
Wie viele Ranger werden eingesetzt und wie viel kostet das?
Wie werden die Ranger mit anderen Behörden zusammenarbeiten?
Welche Reaktionen gibt es zu den Plänen?