Die weiß-rote Cessna 172, die an diesem Juninachmittag bei Varel über den Jadebusen Richtung Wattenmeer fliegt, ist auf einer besonderen Mission: «Ich melde uns an zum Seehundezählen im Jadebusen», funkt der Pilot an die Kontrollstation am Boden. Dann dauert es nur wenige Augenblicke, schon ist die erste Gruppe Seehunde auf einer Sandbank zu erkennen: Mehrere kleine gräuliche und braune Flecken liegen auf dem Sand – und ab und zu noch kleinere dazu, es sind neugeborene Seehundwelpen.
Wissenschaftler Ole Stejskal, der neben dem Piloten in der Maschine sitzt, zählt die Tiere aus gut 150 Metern Höhe und macht sich eine Notiz auf einer Karte in seinem Tablet. «Alles klar, 16/2. Die haben wir», sagt der Seehundzähler zu seinem Piloten über Funk, der daraufhin mit seiner Maschine zu einer Kurve ansetzt und abdreht. Die Zahl 16 steht für die gezählten Alttiere, zwei sind Jungtiere. Sandbank für Sandbank fliegen die beiden so der Reihe nach ab.