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Hameln testet Nebelanlagen gegen sommerliche Hitze auf Marktplatz

Der feine Wassernebel kühlt die Haut. / Foto: Swen Pförtner/dpa
Der feine Wassernebel kühlt die Haut. / Foto: Swen Pförtner/dpa

Hameln hat zwei Nebelanlagen an Marktkirche und Hochzeitshaus aufgestellt. Sie sollen bis zu zehn Grad kühlen und laufen von Mai bis September.

«Unsere gute Stube» und ein «Wohnzimmer im Freien» - so beschreibt Freiraumplaner Hans Heitzer die Innenstadt von Hameln. Oft sind die Plätze rund um die Marktkirche und das Hochzeitshaus im Sommer aber vor allem heiß. Und Hitzewellen dürften in Zukunft durch den Klimawandel häufiger werden. Eine in Hameln noch neue Technologie soll Abhilfe schaffen.

Die Rede ist von sogenannten Nebelanlagen. Sie versprühen fein zerstäubtes Wasser, das eine Art Nebel bildet. Das soll Luft und Passanten kühlen. In der «Rattenfängerstadt» wurde kürzlich eine zweite dieser Anlagen aufgestellt. Eine Erste steht bereits seit dem vergangenen Sommer. 37.000 beziehungsweise 77.000 Euro haben sie nach Verwaltungsangaben gekostet. Weitere soll es zunächst nicht geben. Hält die Technologie also nicht, was sie verspricht?

Stadt: «Kritik seit heißen Tagen leiser»

Im Gegenteil, heißt es von der Stadt. Nach anfänglicher Skepsis und Zurückhaltung - auch wegen der Kosten - seien die Anlagen inzwischen in der Bevölkerung durchaus beliebt. «Mit den ersten Erfahrungen, gerade auch bei hohen Temperaturen, ist die Kritik leiser geworden», berichtet Hamelns Freiraumplaner Heitzer. Etwa von Mai bis September seien die Anlagen in Betrieb, ehe sie zum Schutz vor Frost abgeschaltet werden.

Um bei Hitze die Temperaturen angenehmer zu machen, versprühen die Anlagen mehrere Hundert Liter Wasser pro Tag. Bei der älteren Anlage sind es schätzungsweise gut 170 Liter Wasser pro Tag - je nachdem, wie oft der Bewegungsmelder ausgelöst wird. 

Bei der jüngeren Anlage, die in Zwei-Minuten-Intervallen Nebel erzeugt, sind es 450 Liter pro Tag, sagte Stadtsprecherin Wiebke Kanz. Vorab wird das Wasser aufbereitet, zudem wird die Anlage täglich durchgespült. Probleme mit der Wasserversorgung durch den Verbrauch habe es bisher nicht gegeben.

Bis zu zehn Grad Kühleffekt 

Nach Herstellerangaben liege der Kühleffekt bei bis zu zehn Grad Celsius, sagte Hamelns Klimaanpassungsmanagerin Janine Möller. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die Technische Hochschule Augsburg bei einer Untersuchung der Technologie. 

Johannes Ringel, Professor für Stadtentwicklung an der Universität Leipzig, erklärte bereits 2022: «Wenn warme Luft über Wasserflächen streicht, verdunstet Wasser. Dabei wird der Luft Wärme entzogen, es wird fühlbar kühler. Fontänen und Sprühnebel können das noch verstärken.» Die TH Augsburg schreibt zudem: «Nicht verdunstetes Wasser, das auf der Haut landet, entzieht dem Körper zusätzlich Wärme. Insgesamt entsteht ein angenehmer Kühleffekt.»

Auch der Feinstaubanteil in der Luft werde durch den Nebel nachweislich reduziert, sagte Klimaanpassungsmanagerin Möller. Das sei bei der älteren Anlage besonders praktisch: Sie steht neben einer Bushaltestelle an einer in dem Bereich sechsspurigen Hauptstraße - laut Möller einer der heißesten Orte der Stadt.

Neu ist die Technologie indes nicht. Ähnliche Anlagen gibt es bereits etwa in Hamburg, Berlin, Wien oder Südeuropa. Dort ist die Technik auch als Verdunstungsanlage, Wassersprüher oder Nebeldusche bekannt. 

In Niedersachsen sind die Anlagen bisher aber kaum verbreitet. Dem niedersächsischen Städtetag ist neben den Hamelner Anlagen nur noch eine in Osnabrück bekannt.

Mobile Anlagen können fast überall aufgebaut werden

Das Osnabrücker Modell teilt sich mit der neuen Nebelanlage in Hameln eine Besonderheit: Sie kann versetzt werden. Bei anderen Anlagen handelte es sich bisher meist um fest installierte. «Man braucht nur einen Wasser- und Stromanschluss, die Wasseraufbereitung befindet sich bereits im System», erklärte Freiraumplaner Heitzer. Die Technologie könne also grundsätzlich in jeder Stadt zum Einsatz kommen. 

In Hameln wird sie aber nur als ein Teil der Klimaanpassung gesehen. Etwa dort, wo aufgrund von Rettungswegen kein Platz für Wasserflächen oder Bäume und Pflanzen ist oder Innenstadtplätze noch nicht umgebaut werden können. Andere, möglicherweise nachhaltigere Alternativen wie begrünte Fassaden oder Tiefbeete seien manchmal auch technisch nicht möglich, teilte der Städtetag mit. «Die Hochdrucknebelanlagen können also Lücken im städtischen Hitzeschutzkonzept schließen», sagte Städtetag-Hauptgeschäftsführer Jan Arning.

Hitzeschutz in Niedersachsen mittelmäßig

Freiraumplaner Heitzer gab zudem zu bedenken, dass neue Bäume Zeit bräuchten, bis sie groß genug seien, um ausreichend Schatten zu spenden und für Abkühlung zu sorgen. Die Nebelanlagen könnten daher auch als Übergangslösung beim klimagerechten Umbau von Städten dienen. 

Und die braucht es dringend: Laut dem sogenannten Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe ist der Hitzeschutz in größeren Städten im Bundesland höchstens mittelmäßig. Für die Erhebung wurde unter anderem untersucht, wie die durchschnittliche Oberflächentemperatur ist, wie viel Schatten es durch hohe Bäume gibt oder wie sich die Größe versiegelter Flächen entwickelt hat.

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