VfL Osnabrück gegen Hansa Rostock - das gab es in diesem Kalenderjahr schon einmal. 2. Bundesliga im Februar, Tabellenletzter gegen Vorletzter, Endstand 0:0. An diesem Samstag (14.00 Uhr/MagentaSport) gibt es für beide Nordclubs ein Wiedersehen: diesmal in Rostock, diesmal als Spiel 15. gegen den 20., das Problem ist nur: Dieses Spiel ist nur noch ein Drittliga-Spiel. Fünfeinhalb Monate nach dem Abstieg aus der zweiten Liga sind Hansa und der VfL dem Absturz in die Regionalliga näher als einer Rückkehr in den Profifußball. Woran liegt das? Was verbindet beide Clubs und was trennt sie?
Die Gemeinsamkeiten
Beim VfL Osnabrück gab es nach dem Abstieg insgesamt 33 Zu- und Abgänge im Spielerkader. Bei Hansa Rostock sogar 37. Dazu haben beide Clubs jeweils schon ihre Trainer Uwe Koschinat (Osnabrück) und Bernd Hollerbach (Rostock) gefeuert.
Vollmann erkennt darin den typischen Kreislauf aus hohen Erwartungen, wachsendem Druck und schnellen Reaktionen. «In Osnabrück und in Rostock sind beide Mannschaften von den Verantwortlichen falsch eingeschätzt worden», sagt er. «Die Spieler, die verpflichtet wurden, kannten häufig die Liga nicht. Und in der Summe, als Team, geben sie nicht das her, was man sich erhofft hat.»
Ein Problem sei erfahrungsgemäß: «Häufig steht der Abstieg einer Mannschaft erst sehr spät fest, so dass die Kaderplanung eben auch erst sehr spät beginnen kann», so Vollmann. «Dieser Zeitpunkt ist häufig erst dann erreicht, wenn der Teich schon langsam leergefischt ist.»
Die Besonderheiten
Kein anderer Club im deutschen Profifußball hat seinen Ruf in den vergangenen Jahren so ramponiert wie die Rostocker. Wegen der wiederholten Krawalle von Hansa-Fans kündigte im August der Hauptsponsor, musste die Clubführung schon im Januar bei der Landesregierung antreten, zogen sich erst in dieser Woche fünf Aufsichtsräte zurück. Der Überfall auf einen Zug mit Gäste-Fans von Rot-Weiss Essen sorgte am vergangenen Wochenende für Entsetzen.
Vollmann war gleich zweimal Trainer in Rostock: von 2010 bis Dezember 2011. Und im zweiten Halbjahr 2014. «Ich versuche immer, die Fans oder - besser gesagt - Teile der Ultras zu verstehen», meint er. «Aber ich muss sagen: Bei Hansa fällt mir das mittlerweile schwer. Wie man Zerstörungen oder sogar Straftaten anrichten kann. Und wie man seinem Club durch die Strafzahlungen und in der öffentlichen Wahrnehmung so schaden kann.» Das werde immer schlimmer.
«Man hat diese Strukturen bei Hansa vielleicht zu lange in Ruhe gelassen», sagt Vollmann. Der neue Aufsichtsrats-Chef Sebastian Eggert ist sogar ein Mitbegründer der größten Ultra-Gruppe.