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Schwimmenlernen boomt - warum aber ein Wermutstropfen bleibt

Die ersten Schwimmzüge fallen vielen Kindern schwer. (Symbolbild) / Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Die ersten Schwimmzüge fallen vielen Kindern schwer. (Symbolbild) / Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Vielen Kindern fällt das Schwimmenlernen schwer - das Wasser ist tief und der Beckenrand so weit weg. Trotzdem: Selten in den letzten Jahren haben es so viele Menschen gelernt. Doch da ist ein Haken.

Die ersten Schwimmzüge kosten viele Kinder Überwindung. Und dann noch ins tiefe, manchmal kalte Wasser springen - bei manchen heißt es dann eher: nein, lieber nicht. Dennoch: So viele Menschen wie selten haben bundesweit im vergangenen Jahr schwimmen gelernt, auch viele kleine Schwimmanfänger. 

2025 seien bundesweit 96.471 erfolgreiche Prüfungen für die Schwimmabzeichen Bronze, Silber und Gold abgenommen worden, teilte die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mit. «Dieses Ergebnis haben wir in den vergangenen 20 Jahren nur einmal übertroffen», sagte DLRG-Präsidentin Ute Vogt. 2024 waren es 95.273 Abzeichen. 

Anstieg bei silbernen und goldenen Abzeichen

Die DLRG-Lebensretter gehen davon aus: Wer ein Schwimmabzeichen erwirbt, weist damit nach, sicher schwimmen zu können. Und das gilt bereits mit dem Schwimmabzeichen Bronze, auch als Freischwimmer bekannt: Das Abzeichen wurde im vergangenen Jahr 45.030-mal vergeben - ein Jahr zuvor waren es noch 45.283 Bronze-Abzeichen. 

Nach DLRG-Angaben ist ein wesentliches Kriterium für den Freischwimmer das ausdauernde Schwimmen - genauer gesagt müssen Aspiranten unter anderem mindestens 15 Minuten lang pausenlos schwimmen, ohne sich festzuhalten. 

Gefragter als 2024 waren im vergangenen Jahr die silbernen und goldenen Schwimmabzeichen: Insgesamt absolvierten 20.168 Menschen die Prüfung für das Abzeichen in Gold, nach 19.823 ein Jahr zuvor. 31.280 Menschen wiederum legten die Prüfung für das Silber-Schwimmabzeichen ab. 2024 waren es noch 30.167.

In Niedersachsen absolvierten im vergangenen Jahr 6.825 (2024: 7.740) Menschen die Prüfung für das Bronzeabzeichen, das Abzeichen in Silber erhielten 4.660 (4.831) Menschen und Gold sicherten sich 2.882 (2.962) Schwimmer. 

An der Spitze unter den Bundesländern lag allerdings das bevölkerungsreichste Land Nordrhein-Westfalen mit 9.960 (9.627) Bronze-, 7.126 (6.901) Silber- und 5.395 (5.049) goldenen Abzeichen.

Zu viele Kinder lernen nicht schwimmen

Die DLRG ist nach eigenen Angaben die weltweit größte freiwillige Wasserrettungsorganisation, sie zählt mehr als 640.000 Mitglieder. In der Schwimmausbildung setzten sich im vergangenen Jahr mehr als 33.500 ehrenamtliche DLRG-Schwimmlehrer ein - und damit etwa 700 mehr als ein Jahr zuvor. 

Wie notwendig das ist, zeigt angesichts der nahenden Badesaison die Statistik der Badetoten: Im vergangenen Jahr starben mindestens 393 Menschen bei Badeunfällen - immerhin waren das 18 weniger als ein Jahr zuvor. 

Trotz der Ausbildungserfolge gibt es einen Wermutstropfen: «Die Zahlen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass insgesamt zu viele Kinder das Schwimmen nicht erlernen», mahnte Vogt. «Wir gehen nach wie vor davon aus, dass fast 60 Prozent der Schülerinnen und Schüler am Ende der vierten Klasse nicht sicher schwimmen können.»

Rückgang bei den Seepferdchen

Bevor sie es im Idealfall aber doch schaffen, brauchen sie laut DLRG Grundfertigkeiten im Wasser – Gleiten, sich über eine Strecke von mindestens 25 Metern schwimmend über Wasser halten, angstfrei Springen oder Tauchen mit geöffneten Augen. Dass sie dies beherrschen, bescheinigt das Seepferdchen. Das bedeutet nach Angaben der Lebensretter aber nicht, dass Eltern ihre Kinder am und im Wasser nicht mehr beaufsichtigen müssten. 2025 erhielten 53.660 Kinder ihr Seepferdchen, während es im Vorjahr 57.472 waren.

Trotz des Rückgangs: Das Ergebnis bei den Seepferdchen liegt laut DLRG immer noch deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen 20 Jahre, der etwa 49.000 beträgt. Allerdings habe die Wartezeit auf Anfängerschwimmkurse noch einmal um etwa zehn Prozent zugenommen, warnte die DLRG-Präsidentin. «Die Grenzen der Kapazität sind vielerorts deutlich überschritten.» 

Modernisierung der Schwimmbäder kommt kaum voran

Ein wesentlicher Grund dafür: Noch immer fehlen Wasserflächen - also Bäder, in denen Kinder schwimmen lernen können. Die Modernisierung der Schwimmbäder und die Ausrichtung am tatsächlichen Bedarf kämen kaum voran, kritisierte Vogt. Zwar habe der Bund in diesem Jahr erstmals ein Förderprogramm von 250 Millionen Euro für die Schwimmbäder aufgelegt. Aber ein planvolles und gemeinsames Vorgehen von Bund, Ländern und Kommunen sei «weiter nicht in Sicht».

Das wirkt sich nach DLRG-Einschätzung auch auf den Schwimmunterricht der Schulen aus, der zwar für Grundschulen vorgesehen sei, aber zu oft gestrichen werde. Neben Bädern in der Nähe fehlten oft Lehrkräfte für den Schwimmunterricht. Dennoch gebe es viele Schulen, die mit viel Einsatz versuchten, möglichst allen ihren Schülerinnen und Schülern das Schwimmen beizubringen, betonte Vogt.

Mehr Erwachsene in Schwimmkursen

Auffallend: Insgesamt zählten die DLRG-Lebensretter bei ihren Schwimmkursen im vergangenen Jahr bundesweit etwa 350.000 Menschen – aber keineswegs nur Kinder, denn darunter waren auch knapp 26.000 Erwachsene. Das bedeutet ein klares Plus: 2024 waren es erst 18.448 Erwachsene.

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