«Nee, danke, ciao»: Füllkrug setzt auch ohne Tor den Ton
Seine auffälligste Szene hatte Niclas Füllkrug erst nach dem Spiel. In einem verbalen Zweikampf mit ZDF-Reporter Florian Zschiedrich brach der Fußball-Nationalspieler sein Interview höflich, aber bestimmt ab. Nach dem für ihn frustrierenden 0:1 beim VfB Stuttgart wollte der genervte Bremer Stürmer partout keine Fragen zu seiner bevorstehenden DFB-Rückkehr beantworten. «Nee, danke, ciao», sagte er schließlich, als der ZDF-Mann einen weiteren Versuch unternahm, Füllkrug legte das Mikrofon auf den Tisch und reichte Zschiedrich zum Abschied die Hand. «Ein bisschen Respekt. Wir haben gerade ein Spiel verloren. Das ist gerade nicht in meinem Kopf», hatte Füllkrug am Samstagabend im «Aktuellen Sportstudio» zunächst erklärt, warum er keine Fragen zu seiner ersten Nationalelf-Nominierung nach mehr als einem Jahr beantworten wollte. Er denke nicht an die bevorstehenden Spiele in der Nations League am Freitag in Serbien und drei Tage später gegen die Niederlande. «Das interessiert mich gerade auch nicht. Ich will nicht unhöflich sein, aber wir haben gerade ein Spiel 1:0 gegen Stuttgart verloren, obwohl wir ein gutes Spiel gemacht haben. Da denke ich nicht dran, was nächste Woche ist, das interessiert mich gerade nicht», sagte der 33 Jahre alte Angreifer. Vielleicht war der mit neun Saisontoren glänzend in die Bundesliga-Saison gestartete Füllkrug im ZDF auch deshalb so genervt, weil er zuvor schon bei den Sky-Kollegen über das DFB-Thema ausgefragt worden war. Im Privatfernsehen hatte er noch mit Milde reagiert. Bundestrainer Jürgen Klopp habe sich natürlich seine Gedanken gemacht, sagte Füllkrug, der vor dem 0:1 in Stuttgart in sieben Liga-Spielen in Serie getroffen hatte: «Er hat alles sehr offen und fair mit mir besprochen, auch schon frühzeitig kommuniziert. Es war immer ein reger, netter Austausch. Natürlich freue ich mich drauf und wir schauen mal, was wird.» Der prompte Abgang beim ZDF sorgte dann dafür, dass auch aus einer Bundesliga-Partie ohne Füllkrug-Tor ein Füllkrug-Abend wurde. Auf dem Platz hatte er zuvor wenig Gelegenheiten erhalten, seine Abschlussqualitäten zu zeigen. Vor allem VfB-Abwehrhüne Jeff Chabot, mit dem er sich viele herzhafte Duelle lieferte, bewachte den Werder-Star eng. Vergebens liefen die Bremer dem frühen 0:1 durch Maximilian Mittelstädt (7. Minute) hinterher. Füllkrugs Leistung, insbesondere nach der Pause, fand dennoch Anerkennung: «Wie er gespielt hat, wie er die Bälle geholt hat, wie er die Bälle festgemacht hat, wie er auch den besser stehenden Mitspieler gesucht hat - das hat mir wahnsinnig Spaß gemacht in der zweiten Halbzeit, Werder Bremen zuzugucken, weil das war moderner Fußball», lobte Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. Für Daniel Thioune bringt Füllkrug ohnehin alles mit: «Er ist top trainiert, er ist in einer super körperlichen Verfassung. Er hat eine unfassbar hohe Qualität am Ball», sagte der Werder-Coach. Füllkrug sei verdientermaßen für die Nationalmannschaft nominiert worden und aktuell «einer der besseren Stürmer in Deutschland». Und wohl auch einer der schlagfertigsten. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten«Ich will nicht unhöflich sein, aber...»
«Immer ein reger, netter Austausch» mit Klopp
Thioune: «Einer der besseren Stürmer in Deutschland»