Mittwochabend ist Fernsehabend für die Spieler von Werder Bremen. Das vorerst letzte Mal, dass ihr Clubs selbst in der Champions League mitspielte, ist 16 Jahre her. Nicht in der Champions League dabei zu sein, heißt mit Blick auf den aktuellen Werder-Kader aber noch lange nicht, Europas wichtigsten Vereinswettbewerb nicht zu kennen. Allein sechs Profis mit Champions-League-Erfahrung haben die Bremer in diesem Sommer verpflichtet: Youri Regeer mit Ajax Amsterdam, Ludovit Reis mit dem FC Brügge, Cedric Itten mit den Young Boys Bern, Alexander Schlager mit Red Bull Salzburg, Arthur mit Bayer Leverkusen und vor allem: Niclas Füllkrug. Der stand mit Borussia Dortmund 2024 sogar im Endspiel der Königsklasse gegen Real Madrid (0:2). Wer den 33 Jahre alten Füllkrug am vergangenen Samstag beim 3:1-Sieg gegen RB Leipzig rennen, treffen und vor allem kommunizieren sah, hat dabei auch etwas über Werders veränderte Kaderplanung gelernt. Denn bei aller Kritik an Zeitpunkt (zu spät) und Modus (zu viele Ausleihen) vieler Transfers ging etwas unter: Werder hat in diesem Sommer deutlich mehr Spieler geholt, die in ihrer Karriere schon etwas erlebt haben und deshalb auch viel weitergeben können an ihre jüngeren Kollegen. «Wir haben einen extrem großen Wert auf Charaktere gelegt. Auf Führungs-Charaktere und auf gute Charaktere», sagte Sport-Geschäftsführer Clemens Fritz dazu. Das Ziel sei, «mit einer gefestigten Gruppe» und vor allem «mit einer klaren Führung» in diese Saison zu gehen. Mehr Führung, mehr Wettkampfgeist, mehr Widerstandsfähigkeit, mehr Energie: Danach hat Werder gesucht nach einer in großen Teilen völlig verkorksten Saison. Und davon war gegen Leipzig schon überraschend viel zu sehen. «Es ist wichtig, dass wir mit den zwei, drei, vier erfahrenen Spielern in der Kabine ein bisschen regulieren und ein Gefühl dafür entwickeln, in welche Richtung sich etwas gerade bewegt», sagte Füllkrug in dieser Woche in einem Interview von Sky und RTL. Seine eigene Rolle beschrieb er dabei anhand einer Szene, in der er Leipzigs Nationalspieler David Raum gleich zu Beginn des Spiels abgrätschte. «Es geht darum, Fußball mit einer gewissen Härte zu spielen und dem Gegner zu signalisieren: Heute wird es schwer für euch», sagte Füllkrug. «In dem Moment hatte ich das Gefühl, dass es der Mannschaft helfen könnte, wenn ich das vorlebe. Dass dann alle sofort nachgezogen haben, war optimal.» An diesem Samstag spielen die Bremer im Bundesliga-Topspiel beim 1. FC Köln (18.30 Uhr/Sky). Das ist ein Gegner, der in diesem Jahr auf dem Transfermarkt deutlich andere Prioritäten gesetzt hat: Elf neue Spieler kamen. Sechs von ihnen sind erst 21 Jahre oder jünger. Für Werders Trainer Daniel Thioune liegt darin die Herausforderung: Nach dem starken Auftritt gegen RB nicht zu denken, «dass die Kölner auf dem Papier nicht die Qualität besitzen, die die Leipziger haben. Lieber ein Stück weit mehr Heidenheim sein, als danach zu streben, Bayern München zu sein», sagte Thioune weiter. «Denn das Eine können wir inhaltlich nicht. Das Andere können wir aber definitiv abbilden.» Genau das habe in der vergangenen Saison zu häufig gefehlt. Genau dafür braucht es die neue Kaderstruktur. In Köln könnte auch Mitchell Weiser zum ersten Mal wieder im Werder-Kader stehen. 14 Monate fehlte der Flügelspieler zuletzt wegen einer schweren Knieverletzung. Weiser ist 32 Jahre alt, hat schon 232 Mal in der Bundesliga gespielt, wurde mit Bayern München zweimal deutscher Meister und ist ein besonders meinungsstarker Profi. In der neuen Bremer Kabine freut man sich besonders auf ihn. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenFritz' Credo: «Eine klare Führung»
Füllkrug-Grätsche gegen Raum
Thioune: «Mehr Heidenheim als Bayern München»