Der frühere Werder-Trainer Florian Kohfeldt blickt mit fünf Jahren Abstand auch selbstkritisch auf seine lange Zeit in Bremen zurück. «Ich wollte Werder nach außen so verteidigen, als wäre ich der erste Ultra, nur eben da unten an der Seitenlinie», sagte der Trainer von Darmstadt 98 in einem ausführlichen Interview der «Süddeutschen Zeitung». «Und im Verein habe ich mich für Dinge mitverantwortlich gefühlt, bei denen ich heute sage: Komm, lass das weg, das ist nicht dein originäres Einflussgebiet.»
Kohfeldt war 15 Jahre als Jugend-, Co-, Amateur- und Cheftrainer bei Werder tätig. 2018 wurde er zum «Trainer des Jahres» in der Fußball-Bundesliga gewählt. 2021 musste er den Club einen Spieltag vor dem Erstliga-Abstieg verlassen.
«Zu diesem Club hatte ich die größte Loyalität, die man sich nur vorstellen kann. Die maximale persönliche und emotionale Verbundenheit», sagte Kohfeldt. «Übrigens auch bei wirtschaftlichen Thematiken während Corona oder Vereinswechseln, die damals möglich gewesen wären. Immer und überall habe ich für diesen Verein gekämpft und mir das auch ansehen lassen. Inzwischen habe ich das reflektiert und weiß: Dadurch ist etwas entstanden, was nicht gut, nicht gesund war.»