Die Trennung von Michael Schiele vor knapp sechs Jahren gilt als Kardinalfehler der Würzburger Kickers. Gerade mal die ersten beiden Spiele in der 2. Fußball-Bundesliga hatte der damalige Aufsteiger aus Unterfranken verloren. Da hatte Felix Magath, erst wenige Monate zuvor als leitender Angestellter des Würzburger Investors vollmundig vorgestellt, schon genug von Schiele, der die Mannschaft aus der Drittklassigkeit geführt hatte.
Der vom Publikum geliebte Coach musste im September 2020 gehen, das Chaos brach aus. Während Schiele später Eintracht Braunschweig zum Zweitliga-Aufstieg führte, war auch Magath nur etwas mehr als ein halbes Jahr später Geschichte in Würzburg. Es dauerte, bis sich die Kickers wieder erholten. Seit März ist Schiele wieder Trainer in Würzburg und soll den Verein nach vier Jahren Regionalliga endlich zurück in Liga drei führen.
Würzburg wurde nicht mal Meister
«Ich bin gekommen, um aufzusteigen. Das ist mein Ziel», sagte Schiele der «Main-Post» im Interview vor dem Hinspiel der Aufstiegsrunde am Donnerstag (19.00 Uhr/MagentaSport) beim 1. FC Lok Leipzig. «Die Würzburger Kickers gehören in die 3. Liga und die 3. Liga gehört auch nach Würzburg.»
Schiele ersetzte nach 23 Spieltagen Marc Reitmaier, um das Projekt Aufstieg doch irgendwie umsetzen zu können. Dann standen die Würzburger nach dem Unterhachinger Lizenzrückzug und dem Aufstiegsverzicht des späteren Meisters 1. FC Nürnberg II sogar früh als Bayern-Vertreter für die Aufstiegsspiele fest - wenn auch nur als Tabellenzweiter.
Die Leipziger dagegen, die 2020 gegen den SC Verl und im Vorjahr gegen den TSV Havelse in den K.o.-Duellen scheiterten, wurden Meister der Regionalliga Nordost. «Klar haben die den Druck, jetzt unbedingt aufsteigen zu müssen», meinte der 48-jährige Schiele über Lok. «Die wollen nicht zweimal scheitern. Andererseits kann daraus auch ein Gefühl des 'Jetzt erst recht' entstehen.»
Loks Trainer ist selbst Unterfranke
Die Leipziger stellen sich im Hinspiel und Rückspiel am Montag (18.30 Uhr) auf Geduldsproben ein. Der Nachfolger des ersten deutschen Fußball-Meisters VfB Leipzig (1903) will den Würzburgern aber auch zusetzen. «Wir bringen eine große Intensität auf den Platz und hatten in den letzten beiden Jahren die beste Defensive der Liga. Das sind die Dinge, mit denen wir den Kickers das Leben schwer machen wollen», sagte Lok-Coach Jochen Seitz, der selbst aus Unterfranken kommt.
Die Würzburger verschafften sich vor den Aufstiegsspielen noch etwas Schwung. Schieles Mannschaft gewann den bayerischen Landespokal gegen den Drittligisten TSV 1860 München im Elfmeterschießen. «Die Jungs wollen, die sind heiß», versicherte Schiele. «Die geben alles für das Ziel Aufstieg.»
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