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Smartphone verschiebt Wachstumsprognosen für Deutschlands Online-Casinos

Hände am Casinotisch mit Spielkarten und Jetons
Casino-Spiele sind europaweit das größte Online-Segment und werden überwiegend mobil gespielt. / Foto: Pavel Danilyuk auf pexels.com
Von: Konrad Vers

Im Jahr 2024 machten, europaweit, mobile Geräte 58% der Bruttospielerträge im Online-Glücksspiel aus. Bis 2029 soll der Anteil auf etwa 67% steigen und der Desktop entsprechend an Bedeutung verlieren. Das geht aus einer Studie der European Gaming and Betting Association, dem Verband der europäischen Online-Glücksspielanbieter, in Zusammenarbeit mit dem Analyseunternehmen H2 Gambling Capital hervor.

Mobilgeräte treiben den europaweiten Online-Trend

Den Wechsel vom Computer zum Smartphone oder Tablet vollziehen Spieler seit Jahren und in den letzten Monaten immer schneller. Wer sein Spielkonto auf einem Display hat, spielt kürzer, häufiger und zu anderen Zeiten als am Desktop. Da der Großteil der Einsätze über Apps bzw. mobile Webseiten erfolgt, richten Anbieter ihre Plattformen mittlerweile genau darauf aus.

Die Entwicklung ist in Nordeuropa am weitesten. Dort macht der Online-Kanal mittlerweile fast das gesamte Marktwachstum aus:

  • Mobil: 58% im Jahr 2024, 67% in der Prognose für 2029
  • Desktop: 42% im Jahr 2024, 33% in der Prognose für 2029

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Casino-Spiele sind europaweit das größte Online-Segment und werden überwiegend mobil gespielt. Schnellere Mobilfunknetze und die Verbreitung von Pay-Tokens erleichtern das Spiel. Für die Prognosen zählt vor allem, dass die mobile Nutzung ganz neue Spielergruppen erreicht, die der Desktop nie gebunden hat. In Deutschland wirkt dieser Effekt kleiner. Hier ist der Anteil der stationären Kunden hoch, während der Online-Kanal langsamer wächst als in Nordeuropa.

Der erste Kontakt mit einer App erfolgt mobil

Viele prüfen die App zunächst ohne Einzahlung. Kleine Startguthaben dienen als Werkzeug dafür, und Angebote, die im deutschen Markt als 5€ ohne Einzahlung Casino beworben werden, funktionieren vor allem als Testzugang für Bedienung, Ladezeiten und Auszahlungsweg. Die Auszahlung aus solchen Guthaben kann zwischen 50 Euro und mehreren Hundert schwanken, vorausgesetzt, dass die Umsatzbedingungen erfüllt werden. Für Anbieter sind sie ein Instrument der Neukundengewinnung mit fest kalkulierten Kosten sind.

Für den mobilen Markt ist dieser erste Eindruck folgenreich. Hakt die Verifizierung oder zieht sich die Auszahlung, ist der Nutzer schnell wieder weg. Gerade die Identitätsprüfung nach dem Prinzip Know Your Customer entscheidet am Handy über Abbruch oder Anmeldung, weil sie vor der ersten Auszahlung zwingend ist. Der Betrag eines Startguthabens zählt dann weniger als die Frage, ob sich der Ablauf einmal ohne eigenen Einsatz durchspielen lässt. Bei jüngeren Erwachsenen ist die Smartphone-Nutzung in Deutschland nahezu vollständig, was den mobilen Kanal strukturell stützt.

Enger Rechtsrahmen prägt das deutsche Online-Angebot

Im europäischen Vergleich bleibt Deutschland beim Online-Glücksspiel zurück. Der Markt ist stärker als andere große EU-Märkte vom stationären Geschäft geprägt, also von Spielhallen, Spielbanken und Annahmestellen. Ausschlaggebend sind vor allem die Regeln des lizenzierten Angebots.

Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 zieht für das virtuelle Automatenspiel einen engen Rahmen. Ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro gilt anbieterübergreifend, der Einsatz ist auf einen Euro pro Runde begrenzt, zwischen zwei Spielrunden liegen mindestens fünf Sekunden. Tischspiele wie Roulette und Blackjack sind Ländersache und bundesweit nur eingeschränkt verfügbar. Auf jeden Einsatz fällt zudem eine Steuer von 5,3 Prozent an. Weil diese Abgabe am Einsatz ansetzt und nicht am Ertrag, haben viele lizenzierte Betreiber die Auszahlungsquoten ihrer Automatenspiele gesenkt. Quoten, die international üblich sind, lassen sich unter dieser Steuer kaum halten.

Diese Reibung ist juristisch dokumentiert. Das Hessische Finanzgericht führte in einem Urteil vom 31. Oktober 2024 die Einsatzsteuer als einen Grund dafür an, dass Spieler zu illegalen Anbietern abwandern. Auf nicht lizenzierten Plattformen finden sich Spielformen in Originalform, etwa progressive Jackpots und Live-Tische ohne die deutschen Beschränkungen. Viele dieser Seiten richten sich gezielt an deutsche Nutzer, obwohl ihnen die hiesige Erlaubnis fehlt.

Trotz der Vorgaben wächst der legale Online-Bereich. Die Spieleinsätze im virtuellen Automatenspiel stiegen laut dem Marktmonitor der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder von rund 1,10 Milliarden Euro im ersten Quartal 2025 auf 1,20 Milliarden Euro im ersten Quartal 2026. Die Behörde weist die Werte als Spieleinsätze aus, nicht als Erträge. Ein Teil der Nachfrage entfällt weiterhin auf Anbieter ohne deutsche Lizenz, deren Umfang die GGL nur schätzen könne. Im terrestrischen Geschäft stagnieren die Umsätze, während der Online-Kanal die Zuwächse trägt. Die Behörde erklärt, sie wolle das Geschäftsmodell nicht lizenzierter Anbieter unattraktiv machen, und beaufsichtige nach eigenen Angaben mehr als 140 erlaubte Anbieter. Den Bruttospielertrag des gesamten legalen Marktes für 2024 bezifferte sie in ihrem Tätigkeitsbericht auf 14,4 Milliarden Euro, ein Plus von etwa fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr.

2026 beginnt die Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags

2026 ziehen die Länder eine Zwischenbilanz des Glücksspielstaatsvertrags. Geprüft werden die Kanalisierung in den legalen Markt, der Spielerschutz und die Eindämmung nicht lizenzierter Angebote. 2028 läuft der Vertrag aus, dann entscheidet sich, ob das Modell fortgeführt, angepasst oder in einzelne Länderregelungen zerlegt wird.

Am 3. Juli 2026 legte die GGL ihren Tätigkeitsbericht 2025 vor. Er verlagert den Schwerpunkt von der Erlaubniserteilung auf die laufende Aufsicht und weist für 2025 bewusst keine eigene Schätzung zum Schwarzmarkt aus. Ob Deutschland beim mobilen Wachstum zum übrigen Europa aufschließt, hängt auch an dieser Bilanz, denn eine bessere Kanalisierung setzt ein Angebot voraus, das mobile Nutzer im legalen Markt hält.

Konrad Vers
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Konrad Vers

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