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Pflege 2026: Warum Niedersachsen stärker auf barrierefreies Wohnen setzt – und was das für Familien in Braunschweig bedeutet

Jüngere Frau umarmt und ältere Frau in einer modernen, hellen Küche mit weißer Einrichtungszeile.
Barrierefreies Wohnen: Eine frühzeitige Beratung kann viele Sorgen nehmen. / Foto: ArtPhoto_studio auf magnific.com
Von: Konrad Vers

Die Zahl pflegebedürftiger Menschen in Deutschland steigt seit Jahren kontinuierlich. Gleichzeitig fehlen Pflegekräfte, stationäre Einrichtungen arbeiten vielerorts an ihrer Kapazitätsgrenze und die Eigenanteile in Pflegeheimen bleiben für viele Familien eine erhebliche finanzielle Belastung. Diese Entwicklung beschäftigt Politik, Kommunen und Sozialverbände gleichermaßen.

Auch 2026 steht deshalb ein Thema immer stärker im Mittelpunkt: Wie kann es gelingen, dass ältere Menschen möglichst lange selbstständig in ihrem vertrauten Zuhause leben können?

Die Antwort beginnt oft nicht im Pflegeheim, sondern in den eigenen vier Wänden.

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Pflegepolitik setzt zunehmend auf Prävention

Während in der öffentlichen Diskussion häufig über Pflegeplätze gesprochen wird, gewinnt ein anderer Bereich zunehmend an Bedeutung: die Wohnraumanpassung.

Bund, Länder und Pflegekassen verfolgen seit einigen Jahren das Ziel, häusliche Pflege zu stärken. Dahinter steckt eine einfache Erkenntnis: Jeder Monat, den Menschen sicher und selbstständig in ihrer vertrauten Umgebung verbringen können, verbessert häufig die Lebensqualität und entlastet gleichzeitig das Pflegesystem.

Gerade Niedersachsen gehört zu den Bundesländern mit einer älter werdenden Bevölkerung. Städte wie Braunschweig stehen deshalb vor der Herausforderung, bestehende Wohngebäude an die Bedürfnisse einer älteren Gesellschaft anzupassen. Ein Großteil der Ein- und Zweifamilienhäuser entstand in den 1960er-, 1970er- und 1980er-Jahren – lange bevor Barrierefreiheit beim Hausbau eine Rolle spielte.

Die Treppe wird oft zum ersten Hindernis

In vielen Häusern fällt zunächst gar nicht auf, welche Hürden entstehen können. Erst nach einem Krankenhausaufenthalt, einer Hüftoperation oder einer neurologischen Erkrankung verändert sich der Alltag schlagartig.

Plötzlich wird das Schlafzimmer im Obergeschoss schwer erreichbar. Die Waschküche im Keller bleibt ungenutzt. Angehörige müssen täglich unterstützen, obwohl die betroffene Person eigentlich weiterhin selbstständig leben möchte.

„Viele Familien kontaktieren uns erst, wenn innerhalb weniger Tage eine Lösung gefunden werden muss“, berichtet Mandy Hausner, Ansprechpartnerin für Treppenlifte in Braunschweig. „Dabei erleben wir häufig, dass schon eine frühzeitige Beratung viele Sorgen nehmen kann. Wer seine Möglichkeiten kennt, trifft Entscheidungen deutlich entspannter.“

Barrierefreiheit bedeutet mehr als einen Treppenlift

Barrierefreies Wohnen wird häufig ausschließlich mit Rollstühlen oder Pflegebedürftigkeit verbunden. Tatsächlich beginnt Barrierefreiheit schon deutlich früher.

Experten empfehlen, die eigene Wohnsituation regelmäßig zu überprüfen:

  • Sind alle wichtigen Räume sicher erreichbar?
  • Gibt es Stolperstellen oder schlecht beleuchtete Bereiche?
  • Lassen sich Handläufe sinnvoll ergänzen?
  • Ist das Badezimmer langfristig nutzbar?
  • Können tägliche Wege ohne unnötige Risiken bewältigt werden?

Ein Treppenlift ist dabei häufig nur ein Baustein eines größeren Gesamtkonzepts. Ebenso wichtig sind rutschhemmende Bodenbeläge, ausreichend Bewegungsflächen, gut erreichbare Lichtschalter und eine durchdachte Beleuchtung.

Drei Entwicklungen werden 2026 besonders wichtig

1. Angehörige werden früher eingebunden

Immer häufiger kümmern sich Kinder bereits Jahre vor einer möglichen Pflegebedürftigkeit gemeinsam mit ihren Eltern um eine langfristige Planung. Das reduziert Zeitdruck und ermöglicht bessere Entscheidungen.

2. Beratung gewinnt an Bedeutung

Viele Fördermöglichkeiten werden noch immer nicht ausgeschöpft. Eine individuelle Beratung hilft dabei, Ansprüche gegenüber der Pflegeversicherung oder weitere Unterstützungsmöglichkeiten besser einzuordnen.

3. Bestandsimmobilien werden aufgewertet

Barrierearme Modernisierungen verbessern nicht nur den Alltag, sondern erhöhen häufig auch die langfristige Nutzbarkeit einer Immobilie. In einer alternden Gesellschaft wird dieser Aspekt für viele Eigentümer zunehmend wichtiger.

Braunschweig: Früh handeln statt später improvisieren

Gerade in Braunschweig mit seinen gewachsenen Wohnquartieren entscheiden sich viele Eigentümer bewusst dafür, ihr Haus schrittweise an neue Lebenssituationen anzupassen. Dabei geht es selten um einen kompletten Umbau. Oft reichen gezielte Maßnahmen, um Sicherheit und Komfort deutlich zu erhöhen.

„Unser wichtigster Rat lautet immer: Nicht warten, bis ein Notfall eintritt“, sagt Mandy Hausner. „Viele Lösungen lassen sich in Ruhe planen. Das gibt Betroffenen und ihren Familien Sicherheit und schafft die Grundlage dafür, möglichst lange selbstbestimmt im eigenen Zuhause leben zu können.“

Die Pflege der Zukunft wird nicht allein in Einrichtungen stattfinden. Sie beginnt dort, wo Menschen leben – im eigenen Zuhause. Wer frühzeitig vorsorgt, schafft die besten Voraussetzungen dafür, auch bei veränderten Lebensumständen möglichst lange unabhängig zu bleiben. Genau darin liegt eine der wichtigsten Herausforderungen der Pflegepolitik im Jahr 2026.

Konrad Vers
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Konrad Vers

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