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Kreative Jobs im iGaming: Wer designt eigentlich Online-Spielautomaten?

Ein Designer arbeitet an einem Schreibtisch mit Skizzen und einem Bildschirm, auf dem klassische Spielautomatensymbole zu sehen sind.
Von der Skizze zur digitalen Spielwelt: So entstehen die Symbole moderner Online-Spielautomaten. (Bild KI-generiert)
Von: Konrad Vers

Wer an Spielautomaten denkt, hat oft sofort bestimmte Bilder vor Augen: Kirschen, Zitronen, die rote Sieben oder das BAR-Symbol. Diese Motive prägen das Erscheinungsbild klassischer Automaten seit vielen Jahrzehnten und sind bis heute fester Bestandteil der Popkultur. Moderne Online-Spielautomaten haben mit dieser reduzierten Optik jedoch oft nur noch wenig gemeinsam. Statt einfacher Symbole erwarten Spieler heute aufwändig gestaltete Fantasywelten, Comicfiguren oder Abenteuer, die optisch eher an Videospiele erinnern.

Hinter diesen digitalen Kulissen stehen Kreative, deren Arbeit vielen kaum bekannt ist. Concept Artists, Illustratoren, UI-Designer und Animatoren entwickeln gemeinsam die visuelle Identität eines Spiels – von der ersten Idee bis zur fertigen Grafik. Dabei geht es längst nicht nur darum, einzelne Symbole zu zeichnen. Gefragt ist vielmehr ein stimmiges Gesamtbild, das Wiedererkennungswert besitzt und auf unterschiedlichen Geräten funktioniert.

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Vom einfachen Symbol zur eigenen Bildsprache

Die ersten Spielautomaten entstanden Ende des 19. Jahrhunderts und waren technisch stark eingeschränkt. Der 1895 von Charles Fey entwickelte Liberty Bell arbeitete mit wenigen mechanischen Walzen und klar erkennbaren Symbolen wie Glocken, Hufeisen oder Spielkarten. Wenig später fanden auch Fruchtsymbole ihren Weg auf die Walzen. Sie wurden unter anderem durch die sogenannten Fruit Machines bekannt, die Kaugummi mit verschiedenen Geschmacksrichtungen ausgaben und deren Symbole die jeweilige Sorte repräsentierten.

Über viele Jahrzehnte blieb die Gestaltung funktional. Die Motive mussten sich auf einen Blick unterscheiden lassen und ließen sich aufgrund der mechanischen Bauweise nur in begrenztem Umfang variieren. Erst mit elektronischen und später digitalen Spielautomaten erweiterte sich der gestalterische Spielraum. Video-Slots ermöglichten animierte Grafiken, bewegte Hintergründe und sehr abwechslungsreiche Themenwelten.

Einen weiteren Entwicklungsschritt markieren browserbasierte Spiele auf HTML5-Basis. Sie ermöglichen es, moderne Online Slots auf Computern, Tablets und Smartphones bereitzustellen, ohne unterschiedliche Versionen entwickeln zu müssen. Für Grafikteams eröffnet das neue Möglichkeiten: Statt statischer Walzen gestalten sie komplette Szenarien, in denen Figuren, Landschaften und Effekte zu einer zusammenhängenden Bildwelt verschmelzen. 

Wo beginnt eigentlich das Design?

Wer einen modernen Online-Spielautomaten entwickelt, startet nicht mit dem Zeichnen einzelner Symbole. Am Anfang steht eine Konzeptphase, wie sie auch aus der Videospielentwicklung bekannt ist. In ihr wird festgelegt, welches Thema das Spiel aufgreift, welche Stimmung vermittelt werden soll und welche visuelle Richtung den gesamten Auftritt prägt.

Zunächst entstehen Moodboards – Sammlungen aus Farben, Formen, Fotos oder Illustrationen, die als visuelle Orientierung dienen. In vielen Kreativteams können heute auch KI-gestützte Bildentwürfe oder Stilreferenzen in diese frühe Konzeptphase einfließen. Anschließend entwickeln Concept Artists daraus erste Entwürfe und legen die gestalterische Richtung des Spiels fest. Auf dieser Grundlage entstehen Figuren, Hintergründe, Walzensymbole und weitere grafische Elemente. 

Auch die Benutzeroberfläche wird früh berücksichtigt. Schaltflächen, Menüs oder Informationsfenster sollen sich harmonisch in das Gesamtbild einfügen und dennoch klar erkennbar bleiben. Ziel ist eine konsistente Gestaltung, bei der alle Bestandteile denselben visuellen Charakter tragen.

Je nach Studio arbeiten an diesem Prozess verschiedene Spezialisten zusammen. Illustratoren konzentrieren sich auf Figuren oder Objekte, UI-Designer gestalten die Oberfläche und Animatoren bringen statische Grafiken später in Bewegung. Art Directors koordinieren den visuellen Stil und achten darauf, dass sämtliche Elemente eine gemeinsame gestalterische Linie verfolgen.

Kreativität mit klaren Vorgaben

So groß der gestalterische Spielraum auch ist – Grafik in einem Online-Spielautomaten muss weit mehr leisten als gut auszusehen. Walzensymbole erscheinen oft nur wenige Millimeter groß, besonders auf Smartphones. Deshalb setzen Designer auf klare Konturen, gut unterscheidbare Farben und eindeutige Formen. Wild-, Scatter- oder Bonussymbole sollen sich bereits auf den ersten Blick von den übrigen Symbolen abheben.

Auf dieser Grundlage entsteht die eigentliche Spielwelt. Inspiration liefern unter anderem Mythologien, historische Epochen, Fantasy, Science-Fiction, Steampunk, Comics oder fernöstliche Bildwelten. Ziel ist jedoch nicht, bekannte Motive zu kopieren, sondern eine eigenständige visuelle Identität zu entwickeln, die sich durch Figuren, Hintergründe, Benutzeroberfläche und Animationen zieht.

Auch die Stilrichtungen fallen unterschiedlich aus. Manche Studios setzen auf realistische Illustrationen, andere auf Comicgrafiken, kräftige Farben oder bewusst reduzierte Pixel-Art. Letztere erinnert an die frühen Arcade-Spiele, wird heute jedoch gezielt als gestalterisches Stilmittel eingesetzt und nicht mehr durch technische Grenzen vorgegeben.

Diese Verbindung aus Kreativität und Funktion macht den Beruf so vielseitig. Die Aufgaben reichen von Concept Art und digitaler Illustration über Charakter- und Oberflächendesign bis hin zu Animationen – Arbeitsfelder, die sich in vielen Punkten mit der Entwicklung moderner Videospiele überschneiden.

Ein internationaler Beruf

Ein Blick auf die Branche zeigt, dass die Entwicklung moderner Online-Spielautomaten international organisiert ist. Zu den bekannten Standorten gehören unter anderem Schweden, Großbritannien, Polen, Estland und Malta. Viele Studios arbeiten mit Teams, deren Mitglieder aus unterschiedlichen Ländern stammen und ihre Projekte standortübergreifend umsetzen.

Besonders Malta hat sich als wichtiger Knotenpunkt für die europäische iGaming-Branche entwickelt. Dazu beigetragen haben unter anderem die englische Amtssprache, die frühe Regulierung des Online-Glücksspiels sowie ein enges Netzwerk aus Spieleentwicklern, Technologieunternehmen und spezialisierten Dienstleistern. Entsprechend befinden sich dort die europäischen Niederlassungen oder Hauptsitze zahlreicher Unternehmen, die Spiele für internationale Märkte entwickeln. 

Wer sich Stellenanzeigen für Game Artists, UI-Designer oder Animatoren ansieht, stößt deshalb immer wieder auf Malta als Arbeitsort. Für viele junge Kreative gilt Malta dabei auch wegen seines internationalen Arbeitsumfelds als attraktiver Karrierestandort. Doch hat auch Deutschland mit einigen großen Playern der Spielautomatenbranche eigene Akteure auf dem internationalen Markt. 

Wer in Niedersachsen nach Entwicklern von Online-Spielautomaten sucht, wird allerdings kaum fündig. In Bremen sitzen zwar Unternehmen aus der iGaming-Branche, deren Schwerpunkt liegt jedoch auf Software für den Sportwettenmarkt. Viele Anbieter – darunter auch Tipico Games – vereinen heute Sportwetten und Online-Casinospiele auf einer Plattform, entwickelt werden diese Bereiche jedoch häufig von unterschiedlichen Unternehmen.

Mehr als schöne Bilder

Die Vorstellung, ein Slot-Designer zeichne lediglich Symbole für drehende Walzen, greift heute deutlich zu kurz. Moderne Online-Spielautomaten entstehen in einem mehrstufigen kreativen Prozess – von der ersten Konzeptidee über Moodboards und Illustrationen bis hin zu Animationen und der Benutzeroberfläche. Viele Arbeitsschritte ähneln dabei denen anderer digitaler Spiele.

Der Weg von den schlichten Symbolen früher Spielautomaten zu den detailreichen Spielwelten heutiger Online-Slots zeigt, wie stark sich der grafische Anspruch verändert hat. Aus wenigen mechanischen Motiven sind digitale Szenarien geworden, in denen Illustration, Gestaltung und Benutzerführung eng miteinander verzahnt sind. Wer heute einen Online-Spielautomaten entwirft, entwickelt daher nicht nur einzelne Grafiken, sondern eine visuelle Welt, die den Charakter eines Spiels prägt.

Konrad Vers
Artikel von

Konrad Vers

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