So viel Zeit wie wohl niemand sonst hat Burkhart Kempcke auf der «Gorch Fock» verbracht. Seit Mai 1987 hat der Chef-Stewart exakt 477.063,4 Seemeilen (883.521,4 Kilometer) mit dem deutschen Segelschulschiff zurückgelegt. Das entspricht rechnerisch etwa 22 Erdumrundungen. Ganze 4.920 Tage verbrachte der Norddeutsche auf See. «125 verschiedene Häfen: 3 mal New York, 3 mal Bermudas, 18 mal Lissabon», sagt der 63-Jährige. Am Donnerstag geht Kempcke endgültig von Bord.
«Er war die gute Seele für neun Kommandanten», sagt der aktuelle Kapitän des Dreimasters Elmar Bornkessel. «Es ist jetzt nicht so, dass er den ganzen Tag mir Wasser und Cola Zero bringt.» Kempcke sei immer verlässlich, durch nichts aus der Ruhe zu bringen und vor allem auch leidensfähig. Auf seinem Schiff seien die Wege weit. Die Offiziersmesse, in der Kommandant und der Rest der Schiffsführung speisen, befinde sich Luftlinie etwa 40 Meter von der Kombüse entfernt.
«Bei Wind und Wetter geht der über Oberdeck und schleppt also quasi jedes einzelne Gericht, was hier verzehrt wird, hier rüber», sagt Bornkessel. Natürlich nicht auf Tellern angerichtet, sondern in Schüsseln. Das seien alleine 8 bis 15 Gänge bei Wind und Wetter für das Mittagessen. «Bei Wind und Wetter meint dann auch, dass beispielsweise Strecktaue an Oberdeck gespannt sind, also wo er dann, ich sag’ mal, den Limbo machen muss.» Schließlich müssten die Offiziere auch bei Sturm, wenn keiner mehr an Oberdeck sei, in der Messe essen.