Logo DieNiedersachsen News

Führungswechsel in Mürwik: Wilhelm Tobias Abry ist neuer Marineinspekteur

Führungswechsel in Mürwik: Wilhelm Tobias Abry ist neuer Marineinspekteur
Der neue Marineinspekteur Wilhelm Tobias Abry / Foto: Frank Molter/dpa
Die Marine hat einen neuen Chef. Seine Aufgabe: Russland abschrecken und die deutschen Seestreitkräfte zur Verteidigung der Ostsee und des Nordatlantiks aufstellen.

Führungswechsel an der Spitze der deutschen Seestreitkräfte: Wilhelm Tobias Abry ist neuer Marineinspekteur. Der 58-Jährige übernahm das Kommando von Vizeadmiral Jan Christian Kaack, der seit 2022 an der Spitze stand und seine Männer und Frauen mit dem «Kurs Marine» wieder auf die Landes- und Bündnisverteidigung ausgerichtet hat.

Schwerpunkt der Operationsführung liege auf dem Nordatlantik und der Ostsee, sagte Abry auf dem Gelände der Marineschule Mürwik an der Flensburger Förde, wo Soldaten zur Kommandoübergabe angetreten waren. Operationsplanung und die weitere Entwicklung der Fähigkeitsplanung seien auf die Bedrohung durch die Russische Föderation auszurichten.

Verteidigungsminister Boris Pistorius würdigte Kaack und die von ihm eingeleiteten Veränderungen. «Wir leben in einer Zeit, in der die Sicherheit auf See für unser Land immer mehr an Bedeutung gewinnt. Deutschland ist auf sichere Seewege und damit auf den freien Welthandel angewiesen», sagte Pistorius.

Der Auftrag der Marine sei deutlich anspruchsvoller geworden. Der SPD-Politiker sagte: «Die sicherheitspolitische Lage in Europa hat sich grundlegend verändert. Auch auf See geht es um Verteidigungsfähigkeit und Abschreckung, um den Schutz kritischer maritimer Infrastruktur und eben unsere Seewege.»

Marine wächst wieder: mehr Männer und Frauen in Uniform

Abry verfügt über langjährige See- und Einsatzerfahrung und hat Führungsaufgaben auch in internationalen Einsätzen übernommen. Zuletzt arbeitete er im Verteidigungsministerium. Sein Vorgänger wurde in Mürwik mit einem Großen Zapfenstreich in den Ruhestand verabschiedet. 

Die Marine zählt derzeit 15.900 Soldaten und war zuletzt erstmals wieder gewachsen. Sie verfügt aktuell über 47 Schiffe sowie zwei Tanker, die zivil besetzt sind. Um der Bedrohung durch Russland zu begegnen, läuft auch die Beschaffung neuer Schiffe und Waffen. Pläne gibt es für mehr unbemannte Systeme und den Einsatz künstlicher Intelligenz.

Blick auf den Nordatlantik und die Ostsee

Zwei Spannungsgebiete - der Nordatlantik als Nato-Nachschubroute sowie die Ostsee - spielen für die Marine eine besondere Rolle. Im August hatte Kaack gesagt, die Marine sehe eine konstant hohe russische Bedrohung vor allem in der Ostsee.

Die russische Marine sei «aggressiv auf See, durch das Ausspähen von Stützpunkten und Einheiten, durch Einschüchterungs- und Sabotageversuche, Drohnenüberflüge sowie den Einsatz der Schattenflotte in der Ostsee», sagte der Vizeadmiral in Berlin. Russland schütze Schiffe seiner sogenannten Schattenflotte inzwischen auch mit Waffen, entweder durch Marineschiffe oder auch durch Wachteams an Bord.

Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten