Wer in Wilhelmshaven in den Dienst bei der deutschen Marine eintauchen möchte, sollte halbwegs schwindelfrei sein. Für die neuen Rekrutinnen und Rekruten am Marinestützpunkt Heppenser Groden steht an diesem Nachmittag die Übung für eine Schiffsevakuierung auf dem Stundenplan. «Hat jemand Höhenangst?», fragt ein Ausbilder die gut zwei Dutzend jungen Rekruten, die in einem Halbkreis am Beckenrand vor ihm stehen. Ein Rekrut hebt die Hand. «Kriegen wir alles hin», sagt der Ausbilder gelassen. Keiner brauche Angst zu haben. Alles werde abgesichert.
Die Aufgabe: Aus gut fünf Metern Höhe sollen die angehenden Marinesoldaten durch eine orange Rettungsrutsche in eine aufgeblasene Rettungsinsel im Schwimmbecken rutschen - so wird die Evakuierung von einem Schiff simuliert.
Die Rekruten, die am Beckenrand stehen, sind erst seit gut vier Wochen bei der Bundeswehr - und sie sind die Ersten, die nach Jahrzehnten wieder am größten deutschen Truppenstützpunkt ausgebildet werden. Mehr junge Menschen strebten zur Bundeswehr, sagt Kapitänleutnant Niels Schildwächter, Chef der neu aufgestellten Ausbildungs- und Schutzkompanie. Bislang findet die freiwillige Grundausbildung bei der Marine an den Marineschulen Bremerhaven, Parow (Mecklenburg-Vorpommern) und Plön (Schleswig-Holstein) statt. Wilhelmshaven kommt nun als neuer Standort dazu.