Schier endlos erstreckt sich die Lüneburger Heide. Zeit ist hier eine dehnbare Komponente. Das Landleben in der Gegend zwischen Hamburg und Hannover kommt und geht mit gemächlichen Schritten. Wegen seiner krautigen, unfruchtbaren Flächen diente das Gebiet vor allem ärmeren Menschen über Jahrhunderte zur Weide ihres Viehs. Entsprechend gibt es über die Region in Kunst und Literatur eher dunkle, rückständige und mystische Darstellungen.
So auch im neuen Buch des Niedersachsen Markus Thielemann. Er macht in seinem Zweitling «Von Norden rollt ein Donner» den 19-jährigen Schäfer Jannes Kohlmeyer zum Protagonisten seines ausgezeichnet bedächtigen Romans, der es auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis geschafft hat. Den Hof des Vaters, dessen Demenz langsam immer deutlicher wird, managt der Junge bereits zu weiten Teilen. Während sich andere im selben Alter noch mitten in der Identitätssuche befinden, steht Jannis' Zukunft bereits fest: bukolische Idylle und harte Stallarbeit.