Nach der Festnahme eines jungen Mannes, der gemeinsam mit anderen Täterinnen und Tätern Kinder über das Internet sexuell missbraucht und zum Suizid angestiftet haben soll, laufen die Ermittlungen der Soko Mantacore weiter auf Hochtouren. «Mehrere Datenträger sind sichergestellt worden und werden jetzt ausgewertet», sagte Oberstaatsanwältin Melina Traumann der Deutschen Presse-Agentur. Je nachdem, was auf den Datenträgern gefunden wird, werde dann auch Kontakt zu möglichen Opfern aufgenommen. In der Sonderkommission der Polizei arbeiten den Angaben zufolge mehr als 20 Ermittlerinnen und Ermittler.
Mehr als 120 Straftaten unter dem Namen «White Tiger»
Der Beschuldigte soll der Staatsanwaltschaft zufolge im Alter von 16 bis 19 Jahren unter dem Internetnamen «White Tiger» mehr als 120 Straftaten begangen haben. Darunter seien insbesondere Straftaten, die sich gegen das Leben, die körperliche Unversehrtheit und die sexuelle Selbstbestimmung von insgesamt acht kindlichen und jugendlichen Geschädigten gerichtet hätten. Der 20-Jährige bestreitet die Vorwürfe pauschal.
Polizei brauche mehr Befugnisse im Kampf gegen Pädokriminelle
Der Bund Deutscher Kriminalbeamter hat mit Blick auf den verstörenden Fall mehr Befugnisse im Kampf gegen Pädokriminelle gefordert. Bislang würden solche Fälle oft nur zufällig oder durch Hinweise aus dem Ausland entdeckt, sagte der Hamburger BDK-Vorsitzende Jan Reinecke, dem Norddeutschen Rundfunk.
Auf Täter, die sich ausschließlich im Internet bewegten, sei die Polizei nicht ausreichend vorbereitet. «Wir brauchen spezialisierte Kräfte, die gezielt im Netz nach solchen Taten suchen – nicht erst dann, wenn ein Kind tot ist», sagte Reinecke und forderte mehr Personal, neue rechtliche Befugnisse, eine zentrale Zuständigkeit - etwa beim Bundeskriminalamt - sowie eine rechtssichere Vorratsdatenspeicherung.