Mit einer Geste der Fairness beginnt das Hanseatische Oberlandesgericht in Hamburg am Freitag seinen Prozess gegen einen mutmaßlichen syrischen Kriegsverbrecher. Ihr Mandant habe sich nicht korrekt kleiden können, beklagen die Verteidiger des 47-Jährigen beim Vorsitzenden Richter Norbert Sakuth. Der Angeklagten in schlabbriger grauer Kleidung und Schlappen darf daraufhin zurück ins Untersuchungsgefängnis und sich umziehen. Der Prozess beginnt mit zweistündiger Verspätung.
In ihrer Anklage wirft die Bundesanwaltschaft dem Mann vor, in Damaskus Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen begangen zu haben. Als Anführer der regierungstreuen Shabiha-Miliz soll er sich zwischen 2012 und 2015 im Stadtteil Al-Tadamon an der Misshandlung und Versklavung von Zivilisten sowie an Plünderungen beteiligt haben. Der Syrer war nach Angaben eines Gerichtssprechers im Februar 2016 nach Deutschland eingereist und am 2. August vergangenen Jahres in Bremen festgenommen worden.
Angeklagter soll Gefangene geschlagen haben