loading

Nachrichten werden geladen...

Veröffentlicht mit CMS publizer®

Hannover: Prozessbeginn nach tödlichem Kopfschuss

Der Angeklagte (M) spricht im Gerichtssaal mit zwei Strafverteidigern. Zu Prozessbeginn sind weiterhin viele Fragen offen. / Foto: Shireen Broszies/dpa
Der Angeklagte (M) spricht im Gerichtssaal mit zwei Strafverteidigern. Zu Prozessbeginn sind weiterhin viele Fragen offen. / Foto: Shireen Broszies/dpa

In Hannover eskaliert ein Streit auf offener Straße. Wie kam es zum tödlichen Schusswechsel? Am Landgericht ging es zum Auftakt auch um die Deutung des Geschehens auf der Vahrenwalder Straße.

In Hannover hat am Landgericht der Prozess gegen einen 27-jährigen Mann wegen Totschlags begonnen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll er am 22. Oktober des vergangenen Jahres auf der Vahrenwalder Straße während eines Streits einen gleichaltrigen Mann per Kopfschuss getötet haben. 

Zum Auftakt des Verfahrens waren drei Zeugen sowie ein Sachverständiger geladen. Die genauen Hintergründe der Tat sind bislang unklar. Laut einem Sprecher des Landgerichts könnte die Auseinandersetzung mit Gruppen der organisierten Kriminalität zu tun haben. 

Wie kam es zum Schusswechsel? 

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft sollen sich die Beteiligten bereits einen Tag vor der Tat zu einem Streitgespräch verabredet haben. Als sie am folgenden Tag aufeinandertrafen, sei es zunächst zu einer verbalen Auseinandersetzung und anschließend zu «Faustgesprächen» gekommen. Im weiteren Verlauf sollen mehrere Schüsse gefallen sein, bei denen mehrere Menschen verletzt wurden. 

Nach Darstellung der Anklage soll auch der spätere Getötete geschossen haben. Er sei jedoch im Laufe des Gefechts getroffen worden und zu Boden gestürzt. Der Angeklagte soll daraufhin einen weiteren Schuss auf den Kopf des Mannes abgegeben haben, um ihn zu töten. Das Opfer starb noch am selben Tag. Die mutmaßliche Tatwaffe soll der Angeklagte anschließend im Hof eines nahegelegenen Cafés versteckt haben. 

Zeuge: «Hat einfach überall geknallt» 

Der Angeklagte selbst äußerte sich zum Prozessauftakt nicht zu den Vorwürfen. Seine Verteidigung stellte den geschilderten Tathergang infrage und sprach von einem «hochkomplexen» Geschehen, das seitens der Ermittler nicht genügend aufgearbeitet sei. Angesichts der Vielzahl von Schüssen, beteiligten Personen und teils widersprüchlicher Zeugenaussagen lasse sich derzeit nicht eindeutig rekonstruieren, wie die Tat verlief und wer welche Schüsse abgegeben habe. 

Ein Zeuge, der im familiären Umfeld des Angeklagten arbeitet, schilderte vor Gericht eine eskalierende Situation. Demnach haben sich vor dem Schusswechsel fünf Personen in der Nähe seines Arbeitsplatzes in unmittelbarer Nähe des Tatorts aufgehalten. 

Nach Ankunft des Angeklagten soll es zunächst zu einem Wortgefecht gekommen sein – das in eine Schubserei und schließlich in eine Schießerei übergegangen sei. Plötzlich habe es «einfach überall geknallt», sagte der Zeuge. Nach seiner Darstellung sei die Eskalation von der Gruppe um den später Getöteten ausgegangen. 

Angeklagter mutmaßlich als «Läufer» bezeichnet 

Laut Zeugenaussage hielt sich der Getötete zuvor häufiger in dem Laden auf, in dem auch der Angeklagte verkehrt habe. Beide hätten sich von dort gekannt. Hinweise auf mögliche Hintergründe konnte der Zeuge nach eigenen Angaben nicht einordnen. 

Er schilderte jedoch, der Getötete habe den Angeklagten als «Läufer» bezeichnet. Auf Nachfrage des Richters, ob damit gemeint sei, dass der Angeklagte Drogen für den Getöteten verkaufe, konnte der Zeuge nicht antworten.

Für das Verfahren sind bislang sechs weitere Verhandlungstage bis Mai angesetzt.

Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten