loading

Nachrichten werden geladen...

Veröffentlicht mit CMS publizer®

Mordversuch mit Ameisensäure? - Opfer vollständig erblindet

Am Landgericht Braunschweig hat ein Prozess um einen versuchten Mord mit Ameisensäure begonnen.  / Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Am Landgericht Braunschweig hat ein Prozess um einen versuchten Mord mit Ameisensäure begonnen. / Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Eine Frau aus Niedersachsen soll die Tötung ihres Ex mit Ameisensäure geplant haben. Der Mann überlebt die Säure im Gesicht zwar, erblindet aber komplett. Was geschah im Keller des Paares?

War es ein gezielter Mordversuch mit Ameisensäure oder eine Auseinandersetzung mit tragischem Ende? Ein Prozess am Landgericht Braunschweig soll klären, was im November 2025 im Keller eines Hauses im Landkreis Wolfenbüttel geschah. Angeklagt ist eine 27-jährige Frau, die versucht haben soll, ihren Ehemann mit der hochkonzentrierten Säure zu töten. Der Mann überlebte, erblindete aber vollständig. 

Zum Prozessauftakt um den mutmaßlichen Mordversuch wehrte sich die Angeklagte gegen die Vorwürfe. Es habe einen Kampf um die Flasche mit der Ameisensäure gegeben, sagte die 27-jährige Deutsche vor Gericht. Nach einer Abwehrbewegung sei es dann passiert, berichtete die Frau, wie es zu den schweren Verletzungen ihres Ex-Partners gekommen sei. 

Wollte die Angeklagte 400.000 Euro Versicherungssumme?

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig wirft der Frau vor, in einer Trennungsphase versucht zu haben, ihren Mann mit der Ameisensäure zu töten. Nachdem der Mann die Scheidung verlangt hatte, soll sich die 27-jährige laut Anklage zur Tat entschlossen haben, um an 400.000 Euro aus einer Risikolebensversicherung zu kommen. 

Nach Schilderung der Ermittler lockte die Frau ihren Mann im November 2025 unter einem Vorwand in den Keller des gemeinsamen Hauses in der Gemeinde Schladen-Werla, wo auch die beiden gemeinsamen Kinder lebten. Von hinten soll die Angeklagte ihrem wehrlosen Opfer die Ameisensäure über den Kopf und das Gesicht geschüttet haben. 

Opfer mehrere Tage im Koma

Anschließend soll die Frau verhindert haben, dass sich ihr Ex-Partner die Säure schnell vom Körper waschen konnte. Weil sich das Opfer laut Anklage nicht abspülen konnte, rettete es sich vor das Haus, wo ein Nachbar Erste Hilfe leistete und den Notruf wählte. Durch den Säureangriff erlitt der Mann nach Angaben der Strafverfolger Verätzungen unter anderem an den Augen, am Hals und an den Armen. 

Die Hornhäute beider Augen seien durch die Säureeinwirkung zerstört worden, was zur vollständigen Erblindung geführt habe. Wegen der Schwere der Verletzungen und der erheblichen Schmerzen musste der Geschädigte für mehrere Tage ins künstliche Koma versetzt und in einer Spezialklinik behandelt werden. 

Angeklagte bestreitet Tat und mögliches Motiv 

Die Frau sitzt seit dem Vorfall in Untersuchungshaft in der JVA Hildesheim. Den Vorwurf eines Mordversuchs aus Heimtücke und Habgier wies die gefasst wirkende Angeklagte zum Prozessauftakt zurück. «Ich bin immer gut hingekommen mit dem Geld», sagte sie. Es stimme nicht, dass nur sie von einer Risikolebensversicherung gewusst habe. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Vielmehr habe der Noch-Ehemann sich merkwürdig verhalten, sagte die Frau. Nach der Trennung habe er zwar eine neue Freundin gehabt, aber nicht auf den Sex mit ihr verzichten wollen. Sie habe sich unter Druck gesetzt gefühlt, sagte die Angeklagte. Am mutmaßlichen Tattag habe es keinen Vorwand gegeben, sondern ihr Mann habe im Keller einen Kindersitz reparieren wollen. Plötzlich habe er die Flasche mit der Säure in der Hand gehabt. Nach einer Gegenbewegung sei es passiert und beide seien mit Säure bespritzt worden. 

Was ist Ameisensäure? 

Ameisensäure wird als stark riechend und stechend beschrieben und wird unter anderem als Desinfektionsmittel oder auch in Reinigungsmitteln verwendet. In privaten Haushalten wird die Ameisensäure häufig zum Entkalken von Waschmaschinen verwendet. Kontakt mit der Säure oder konzentrierten Dämpfen reizt die Atemwege und Augen. Sie führt auf der Haut ab einer Konzentration über zehn Prozent zu teils schweren Verätzungen und Blasen. Laut Anklage hatte die Säure eine Konzentration von 94 Prozent.

Zum Prozessauftakt sagten nach der Angeklagten auch ein Polizist und ein Rettungssanitäter als Zeugen aus, die mit als erste Einsatzkräfte vor Ort waren. Zunächst berichtete der Polizist von einer Frau, die eher schwankend in ihren Angaben war. Die Angeklagte habe auf ihn zwar innerlich aufgewühlt und aufgebracht gewirkt, nach außen sei sie aber sehr ruhig gewesen. 

Ersthelfer: «Man konnte der Netzhaut bei der Auflösung zusehen»

Nach ersten Zeugenberichten vor Ort hatte die Beschuldigte zunächst keine Verletzungen. Ihm sei geschildert worden, dass die Frau erst zurück ins Haus gegangen und dann mit Verletzungen wieder herausgekommen sei, sagte der Polizist. 

Der Sanitäter beschrieb mit dramatischen Worten, wie er sich nach der Ankunft das mutmaßliche Opfer sofort gepackt und versucht habe, das Augenlicht zu retten. «Man konnte der Netzhaut bei der Auflösung zusehen», sagte der Retter. Das Opfer habe ihm große Schmerzen und immer schwächer werden Sehkraft beschrieben, habe aber dennoch gefasst gewirkt. 

Für den Prozess sind sechs weitere Verhandlungstage angesetzt. Nach der bisherigen Planung könnte das Urteil am 8. Mai verkündet werden.

Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten