Flüchtling aus Deutschland in Paris als IS-Kämpfer angeklagt
In Paris hat der Berufungsprozess gegen einen in Deutschland als Flüchtling anerkannten Syrer begonnen, dem die französische Justiz eine leitende Rolle in der Terrormiliz Islamischer Staat vorwirft. Der 43-Jährige soll im Zusammenhang mit der Geiselnahme sieben westlicher Journalisten und NGO-Mitarbeiter in den Jahren 2013 und 2014 im syrischen Aleppo als führendes IS-Mitglied aufgetreten sein. Syrische Flüchtlinge in Deutschland enttarnten ihn als mutmaßlichen IS-Kämpfer und Spezialisten für Sprengstoffanschläge, der den Spitznamen Abu Hamsa TNT trug. Zwei der entführten und nach zehn Monaten freigekommenen französischen Journalisten identifizierten ihn später. In einem ersten Prozess wurde der Angeklagte im vergangenen Jahr wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu 20 Jahren Haft verurteilt. Zu Beginn des Berufungsprozesses bestritt der Angeklagte erneut, in der Terrormiliz engagiert gewesen zu sein. Der 2019 auf Betreiben Frankreichs in Deutschland festgenommene Angeklagte hatte als anerkannter Asylbewerber in Kassel gewohnt und in Göttingen und zuletzt in Marburg Chemie studiert, hieß es vor Gericht in Paris. Bereits 2015 hätten syrische Flüchtlinge den Angeklagten in Deutschland angezeigt und erklärt, bei ihm handele es sich um einen Sprengstoffexperten des IS, der Anschläge in Deutschland plane. Daraufhin nahm die deutsche Justiz Ermittlungen wegen des Verdachts terroristischer Aktivitäten auf. Auf seinem Computer fanden sie ein rund 4.200 Seiten umfassendes, vom IS stammendes Handbuch zur Herstellung von Sprengstoff, sagte der Vorsitzende Richter in Paris. Außerdem seien auf dem Pass des Mannes Spuren des Explosivstoffes Nitroglyzerin festgestellt worden. Dennoch sei das deutsche Ermittlungsverfahren 2016 eingestellt worden. Unterdessen sammelte ein auf das Enttarnen von IS-Terroristen spezialisiertes Netzwerk syrischer Flüchtlinge, die «Zelle Yaqaza», umfangreiche Informationen zu dem Angeklagten und observierte ihn in Deutschland, wie die Zeitungen «Le Monde» und «Libération» berichteten. Schließlich schickten sie ein Dossier voller Informationen an die beiden französischen Journalisten, die die Justiz einschalteten. Diese nahm daraufhin Ermittlungen auf. Der Prozess läuft bis zum 13. Oktober. Der Fall lieferte außerdem die Vorlage für den Kinofilm Les Fantômes (Die Schattenjäger), in dem sich ein syrischer Flüchtling in Frankreich auf die Suche nach seinem Folterer macht. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenMutmaßlicher Terrorist studierte in Marburg Chemie
Flüchtlingsnetzwerk observierte Angeklagten in Deutschland