Im Fall eines wegen mutmaßlicher Tötungsdelikte beschuldigten Arztes der Medizinischen Hochschule Hannover hat das Gericht den Haftbefehl aufgehoben. Der 49-Jährige sei aus der Untersuchungshaft entlassen worden, teilten seine Anwälte mit. Ein Sprecher des Landgerichts Hannover bestätigte, nach Einschätzung der Kammer liege kein dringender Tatverdacht mehr vor. Im Lichte der Aussagen des Angeklagten sei es möglich, dass die Medikamentengabe «medizinisch vertretbar» gewesen sein könnte.
Laut Anklage soll der Mediziner zwei schwer kranke Patienten getötet und zudem als Notarzt versucht haben, eine weitere Patientin zu töten. Er ist wegen Mordes sowie versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung angeklagt.
Verteidiger sind zuversichtlich
Im Mai 2019 soll er demnach als Notarzt zu einer 82-Jährigen gerufen worden sein. Statt sie in ein Krankenhaus einzuweisen, soll er versucht haben, sie mit Medikamenten zu töten. In den anderen Fällen ging es um Patienten, die auf der Intensivstation behandelt wurden - einen 20-Jährigen, der im Juni 2020 starb, außerdem einen 71-Jährigen, der im März 2025 starb. Der Arzt soll die Therapien abgebrochen und die Patienten mit Medikamenten getötet haben. Er wies die Vorwürfe im Prozess zurück, es sei seine Pflicht, Patienten ein Sterben ohne Luftnot und Schmerzen zu ermöglichen.
Die Verteidiger des Mannes teilten mit, aus ihrer Sicht habe sich ihr Mandant «innerhalb der Grenzen strafloser indirekter Sterbehilfe bewegt». Sie kommentierten laut Mitteilung: «Wir sehen uns in unserer Zuversicht bestärkt, dass der Strafprozess mit dem erstrebten Freispruch endet.»
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