Viele Menschen spüren die massive Personalnot in der Pflege. Weniger bekannt dürfte den meisten sein, dass der Pflegesektor bei Abrechnungsbetrug und beim Einsatz von Pseudo-Pflegekräften besonders auffällig ist.
Es seien einige wenige Betrüger, die skrupellos vorgingen und teils Menschenleben gefährdeten, um illegal hohe Summen einzustreichen, sagte die Chefermittlerin der KKH Kaufmännische Krankenkasse, Dina Michels, am Mittwoch. Die Folge: Allein die KKH, die mit mehr als 1,6 Millionen Versicherten bundesweit zu den größten gesetzlichen Krankenkassen zählt, musste im vergangenen Jahr einen Schaden von rund 3,5 Millionen Euro hinnehmen - die bisher dritthöchste Jahressumme. 2022 lag der Schaden bei mehr als einer Million Euro, ein Jahr zuvor waren es 4,7 Millionen Euro.
Michels nannte Beispiele: «Bei einem ambulanten Pflegedienst besteht der Verdacht, dass Pflegebedürftige intensivmedizinisch von Personal versorgt wurden, das dafür nicht ausgebildet war. Lebensnotwendige Medikamente wurden fehlerhaft gegeben, eklatante Mängel in der Hygiene in Kauf genommen und zudem Leistungen abgerechnet, die nie erbracht wurden.» Der Schaden lag in Millionenhöhe. «Doch was viel schwerer wiegt, sind die körperlichen und seelischen Folgen bei den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen», betonte sie. Ein anderer Fall: Ein Apotheker aus Sachsen, der Zytostatika, also Krebsmedikamente, unterdosiert abgegeben haben soll. Hier sei der Schaden noch unklar.