Wer sich für die Arbeit in einem Krankenhaus entscheidet, der will in der Regel eines: Menschen helfen. Für sie da sein, wenn es ihnen schlecht geht. Doch immer häufiger sitzen die Pflegekräfte statt am Patientenbett an Computerprogrammen und Formularen. Das beklagt die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft (NKG) – und so berichtet es auch Yosef Ramfar, Leiter der Station für Gastroenterologie und Diabetologie am KRH Klinikum Siloah in Hannover, gleich neben der Fußballarena am Maschsee.
«Als ich angefangen habe, hatte ich wirklich Zeit, mich neben den Patienten hinzusetzen und fünf Minuten einfach über sein Leben zu sprechen und den Menschen kennenzulernen», sagt der 38 Jahre alte Ramfar. «Heute gibt es Tage, wo es sich anfühlt, als würde man die Patienten eher abarbeiten. Wir versuchen immer, menschlich zu sein, auch ein bisschen Nähe zu haben zu den Patienten. Aber es gibt wirklich Tage, da geht es nicht anders.»
Die NKG als Klinikverband hat für dieses Gefühl ein eindrückliches Bild gefunden: Im August baute sie eine fünf Meter hohe Welle aus Kartons vor das Neue Rathaus in Hannover. Kartons, die symbolisch für Akten, Formulare und Gesetzestexte stehen sollten – und davor, als Schaufensterpuppen, drei Klinikbeschäftigte, die drohten, von der Bürokratie umgeworfen zu werden.