Anfangs schien es ein harmonischer Auftritt des Headliners Macklemore beim Deichbrand-Festival zu werden. «Mit euch allen sind wir hierhergekommen, um das Leben zu feiern. Wir sind hierhergekommen, um die Liebe zu feiern», sagte der US-Rapper am späten Sonntagabend auf Englisch. «Unsere einzige Aufgabe heute Abend ist es, Spaß zu haben und Liebe zu verbreiten. Okay? Das ist alles.» Doch plötzlich wurde der Musiker – wie so oft in der Vergangenheit – wieder politisch.
«Rechtfertigung dessen, was die Hamas macht»
Niedersachsens Antisemitismusbeauftragter Gerhard Wegner kritisierte den Auftritt des US-Rappers scharf: «Es geht im Grunde um die Rechtfertigung dessen, was die Hamas macht. Es geht um eine massive Kritik, eine antisemitische Kritik an Israel.» Von der Existenzberechtigung Israels bleibe dabei nicht viel bis gar nichts mehr übrig.
Bis zum Start des Auftritts von Macklemore verzeichnete die Polizei noch keinen politisch motivierten Zwischenfall auf dem diesjährigen Deichbrand-Festival. Politische Botschaften aus dem Publikum waren nach Beobachtungen eines dpa-Reporters eher rar, jedoch zeigten Besucher mindestens eine Israel- und eine Palästina-Flagge.
Festivalleitung reagierte mit Schulungen und Bekenntnis
Wegner hätte sich nach eigenem Bekunden von dem US-Rapper «ein, zwei Sätze zum Existenzrecht Israels» gewünscht. «Dann hätte man ihm das auch abgenommen, dass er mit den Menschen im Gazastreifen wirklich leidet.» Wegner hatte zuvor empfohlen, das Deichbrand-Festival zwar zu besuchen, aber vor Macklemores Auftritt wieder abzureisen.
Auch der Zentralrat der Juden wirft Macklemore Antisemitismus vor und hatte vor einem Besuch des Festivals gewarnt. Die Leitung des Festivals in Niedersachsen reagierte auf die Kritik mit einem Antisemitismuskonzept, Schulungen und einem öffentlichen Bekenntnis gegen Hass und Gewalt.
Der Rapper aus Seattle – bürgerlich Benjamin Haggerty – positioniert sich immer wieder politisch. Im vergangenen Jahr veröffentlichte er den propalästinensischen Song «Hind's Hall» und dieses Jahr das Lied «Fucked up». In den Liedern wirft er Israel Genozid vor, verschweigt den Terror der Hamas und vergleicht in einem dazugehörigen Video einen Jungen aus dem Warschauer Ghetto mit einem aus dem Gazastreifen.