In einer Woche beginnen die Sommerferien in Niedersachsen und Bremen: Die Nachfrage nach Urlaub im Inland ist angesichts vieler Unsicherheiten und Krisen hoch. Viele Familien planen kurzfristig. Wie stehen die Chancen für Kurzentschlossene, eine Unterkunft in den Ferien ab 2. Juli zu finden? Einige freie Betten melden die Gastgeber zwischen Harz, Lüneburger Heide und Nordsee, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab.
Solide Buchungslage an der Nordseeküste
Eine Auszeit auf den Ostfriesischen Inseln oder an der Nordseeküste – das ist für viele ein klassisches Reiseziel im Sommer. Die Tourismus-Agentur Nordsee (Tano) in Wilhelmshaven, die für das Tourismusmarketing an der gesamten Nordseeküste zwischen Ems und Elbe zuständig ist, spricht von einer «insgesamt soliden» Buchungslage in den Sommerferien. «Aus den Rückmeldungen der Orte in der Region ergibt sich derzeit je nach Teilregion und Unterkunftsart eine Auslastung zwischen rund 70 und 90 Prozent», teilt eine Sprecherin auf Anfrage mit. Damit bewege sich die Nachfrage mindestens auf dem Niveau des Rekordjahres 2025.
Vor allem Orte insbesondere mit Ferienwohnungen sind demnach bereits gut gebucht. Aber es sind auch noch Unterkünfte frei, heißt es von den Touristikern. «Für Kurzentschlossene bestehen weiterhin gute Chancen, eine passende Unterkunft an der niedersächsischen Nordseeküste zu finden», teilt die Tano-Sprecherin mit. Die besten Möglichkeiten böten die zentralen Buchungs- und Vermittlungssysteme der Tourismusorte sowie direkte Anfragen bei Gastgebern. «Wer bei Reisedatum und Unterkunftsart flexibel ist, erhöht seine Erfolgschancen zusätzlich», sagt die Sprecherin.
Rekordjahr für Niedersachsens Tourismus?
Dass Krisen wie im Nahen Osten manche Urlaubspläne ins Wanken bringen und Reisen geändert werden, zeigte kürzlich bereits eine Umfrage des Deutschen Instituts für Tourismusforschung (FH Westküste) im Auftrag des Deutschen Tourismusverbandes (DTV). Trotzdem bleibe aber die Reiselust hoch, hieß es.
Profitieren könnte der Inlandstourismus. Die IHK Niedersachsen hält es für möglich, dass Niedersachsen 2026 sogar an die Rekordwerte des vergangenen Jahres anschließen könnte. 2025 waren 15,8 Millionen Gäste und 46,9 Millionen Übernachtungen nach Angaben des Landesamts für Statistik verbucht worden.
Inwieweit wegen der geopolitischen Unsicherheiten mehr Menschen ihren Urlaub etwa an der Nordsee verbringen, lasse sich noch kaum abschätzen, heißt es von den Touristikern. «Aus den Teilregionen werden bislang keine außergewöhnlichen Ausschläge bei den Gästezahlen gemeldet», sagt die Tano-Sprecherin. Grundsätzlich gelte die niedersächsische Nordseeküste aber als gut erreichbares, verlässliches und vergleichsweise preisattraktives Reiseziel, das von einer stärkeren Nachfrage nach Urlaub im Inland profitieren könne.
Einen zusätzlichen Schub könnte in jedem Fall das Sommerwetter geben. «Gäste buchen ihren Urlaub zunehmend kurzfristig und orientieren sich dabei häufig an den Wetterprognosen», teilt die Tourismus-Agentur weiter mit. Ohnehin voller werden dürfte es insbesondere an der Küste, wenn in Nordrhein-Westfalen am 20. Juli die schulfreien Wochen beginnen.
Harz besonders an Wochenenden gefragt
Die Buchungslage im Harz entwickelt sich mit Blick auf die Sommerferien gut. Besonders an den Wochenenden melden zahlreiche Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen eine bereits gute Auslastung, während unter der Woche vielfach noch freie Kapazitäten bestehen, heißt es vom Harzer Tourismusverband. Die Nachfrage bewege sich im Vergleich zum Rekordjahr 2025 insgesamt auf einem guten Niveau.
Aufgrund des zunehmend kurzfristigen Buchungsverhaltens lasse sich die Entwicklung bis jetzt nicht abschließend bewerten. Viele Reisende entscheiden sich erst kurz vor Urlaubsbeginn für eine Reise und eine konkrete Unterkunft. Wetterprognosen, aktuelle Angebote und individuelle Reiseanlässe spielten eine wichtige Rolle.
Nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes verbringen rund zwei Drittel der Deutschen ihre Sommerferien im Ausland. Man erwarte, dass sich dieses Verhalten grundsätzlich fortsetzt.
Lüneburger Heide wartet auf Heideblüte
Die Auslastung bewegt sich auf Vorjahresniveau. «Das ist gut, weil wir da auch schon sehr erfolgreich waren, wir halten also das hohe Niveau. Letztes Jahr hatten wir ja das beste Jahr seit Bestehen», sagt Ulrich von dem Bruch, Geschäftsführer der Lüneburger Heide GmbH.
Das gesamte Buchungsverhalten dieses Jahr sei sehr kurzfristig. «Es gibt aber noch einen zweiten Faktor, der den Tagestourismus gerade etwas bremst; und das sind die Benzinkosten», erklärt der Tourismusexperte. Aktuell gebe es noch genügend Unterkünfte, 63 Seen und Badeseen locken auch bei hohen Temperaturen ein. «Für uns ist ja die Heideblüte wichtiger als die Sommerferien», sagt von dem Bruch. Die beginnt traditionell am 8. August und dauert etwa einen Monat.
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