Atommüll in den Ozean zu werfen scheint aus heutiger Sicht absurd. Doch genau das geschah zwischen den 1950er und den 1980er Jahren im großen Umfang. Mindestens 200.000 Fässer werden alleine im Nordostatlantik vermutet. Ein Team europäischer Forscherinnen und Forscher macht sich nun auf die Suche nach den Fässern und fährt in das Gebiet, in dem wohl die Hälfte der Abfälle landete. Mit an Bord ist auch ein Wissenschaftler vom Thünen-Institut für Fischereiökologie in Bremerhaven.
Tauchroboter wird Meer nach Fässern durchforsten
Bei dem Projekt wollen nun 21 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen Monat lang den Fässern, die wohl in 3.000 bis 5.000 Meter Tiefe liegen, auf die Spur kommen. Das Suchareal liegt mehr als 1.000 Kilometer westlich von La Rochelle im Westeuropäischen Becken des Atlantiks.
Ziel ist es, die Folgen der Müllentsorgung im Meer neu zu bewerten und zu untersuchen, wie es um das Ökosystem steht. Die Fachleute wollen eine Karte mit Atomfass-Funden erstellen und etliche Proben von Wasser, Boden und Tieren nehmen. Zudem wollen sie ein Referenzgebiet untersuchen, um die Ergebnisse später zu vergleichen.
Unterstützung bekommt das Team dabei von einem autonomen Tauchroboter. Der Roboter Ulyx kann bis zu 6.000 Meter in die Tiefe sinken. Neben physischen und chemischen Sensoren verfügt er über eine Kamera für 3D-Bilder und ein Sonarsystem zur Ortung von Gegenständen mit Schall. Mit den Aufnahmen des Roboters wollen die Fachleute die einzelnen Fässer und deren Zustand aufspüren und ihre Position vermerken. Denn wo genau sich die Behälter befinden, ob sie einzeln oder in Gruppen liegen und ob sie noch intakt sind, ist derzeit nicht bekannt.
Um die gesamte Fläche ihres Untersuchungsgebiets abzusuchen, bräuchte das Team Jahre, schätzte Co-Projektleiter Javier Escartin von der Universität ENS Paris. Für die vier Wochen peilen sie an, etwa 200 Quadratkilometer in verschiedenen Zonen abzusuchen. Ausgehend von den Roboterbildern entscheiden die Wissenschaftler dann, wo genau sie etwa Wasser oder Tiere entnehmen.